Impuls / Predigt

Gib aus, mein Herz

Pfarrer Stefan Lämmer

Gib aus, mein Herz, und suche Freud´ in dieser lieben Sommerzeit! Zwei Buchstaben verändern den Sinn des bekannten Liedes von Paul Gerhard: „Gib aus“, nicht „Geh´ aus, mein Herz“.

Im Ausgeben Freude suchen? Wer kennt sie nicht, die Konsumfreude? Wer freut sich nicht an einem schönen neuen Hemd?

Shoppen bis um Mitternacht bringt die Massen auf die Beine. Der verkaufsoffene Sonntag wird zum Mega-Event. Bummeln ohne Hetze, schauen und Schönes kaufen.

Wer etwas zum Ausgeben hat, wird sich an den schicken neuen Schuhen freuen. Wer im Alltag etwas leistet, kann sich auch was leisten. Wer am Wochentag hart arbeitet, kann sich manches Wertvolle einkaufen.

Doch Wert und Würde eines Menschen sind nicht von seiner Kaufkraft abhängig.

Auch in unserer Region werden es mehr, die auf einen Tafelladen angewiesen sind, um günstig einkaufen zu können. Auch in unseren Dörfern müssen viele Ältere rechnen, damit sie mit ihrer Rente auskommen.

Gib aus, mein Herz, und suche Freud´? Mit der Freude über das Eingekaufte ist es so eine Sache. Sie hat ein schnelles Verfallsdatum. Schnell kommen die nächsten Wünsche auf. Sie stehen in der Warteschleife und hoffen auf ihre Erfüllung. Diese Freude bleibt vordergründig.

„Geh´ aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerszeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“ So dichtete Paul Gerhard. Er zeigt uns, dass es mehr gibt als die materiellen Güter.

Ob wir dieses Mehr erkennen? Ob wir die Schönheit der Schöpfung noch wahrnehmen?

Die Vögel singen in einer Welt, die oft dunkel und ungerecht ist. Vielleicht haben sie recht.

Ich wünsche Ihnen in dieser Sommerzeit Freude an der Natur und den Blick für Gottes gute Gaben.

Pfarrer Stefan Lämmer, Öschingen

Geschrieben am 16.07.2010


  

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