Impuls / Predigt
Auf das Herz hören
„Mein Herz hat mir gesagt ...“ Es ist gut, wenn man die Stimme seines Herzens hört. Und es ist wichtig auf diese Stimme zu hören. Allerdings ist es nicht immer einfach. Manchmal sind andere Stimmen viel lauter, Stimmen in unserer Umgebung, aber auch innere Stimmen. Dann heißt es in sich gehen, sich die Zeit nehmen, auf diese leise Stimme des Herzens zu hören.
„Mein Herz sagt mir ganz klar: ...“ So hat Margot Käßmann, die EKD-Ratsvorsitzende, ihren Rücktritt begründet. Ich bedauere den Rücktritt sehr. Zwingend notwendig war er nicht. Aber ich respektiere die Entscheidung. Zumal, wenn sie vom Herzen kommt. Denn eben das war und ist es ja, was so viele an Frau Käßmann schätzen: Ihre Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit, dass sie auf ihr Herz hört, darüber spricht und es lebt.
Ich wünschte, das täten viele: die in öffentlichen Ämtern und prominenter Stellung genauso wie die vielen anderen – wir alle eben. Was ist so schwierig daran? Man eckt an. Man macht sich angreifbar. Deshalb will mir, was mein Herz sagt, der Kopf gleich wieder ausreden: „Das kannst du doch nicht machen! Was werden da die anderen sagen?“ Es kostet oft viel Mut, zu tun, was das Herz sagt. Und Vertrauen. Vertrauen in das eigene Herz und in die Stimme, die da spricht. Deshalb ist es wichtig, das eigene Herz kennen zu lernen.
Wer so in sich geht, wird vielleicht feststellen, wie viele Stimmen sich da im Inneren melden. Das kann zuerst verwirrend sein. Auf welche Stimme soll ich hören? Bei genauem Hinhören zeigt sich jedoch, dass diese Stimmen nicht alle das gleiche Gewicht und die gleiche Bedeutsamkeit haben. Ich lerne mit dem Herzen zu hören.
Denn das Herz redet nicht nur, es hört auch. Wie beim Puls und beim Atem gehört beides zusammen: das Aufnehmen und das Abgeben, das Hören und das Reden. Dabei hört das Herz besonders gerne auf Worte, die ebenfalls von Herzen kommen. Wesentlich sind mir dabei die Worte der Bibel. Worte, wie sie zum Beispiel bei der Taufe gesprochen werden: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“
Ein Herz, das auf die Worte Gottes hört, lehrt Vertrauen und gibt Mut. Da kann man auch mutige und unkonventionelle Schritte wagen. Das müssen dann nicht alle verstehen. Aber es schafft einen Raum, in dem wir uns gegenseitig respektieren, eine Atmosphäre, in der es uns gut geht.
Pfarrer Dr. Klaus-Dieter Nikischin, Tübingen
Geschrieben am 27.02.2010
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