Impuls / Predigt
Wer’s glaubt, wird selig
Nun wirft er wieder seine Beeren ab, der Maulbeerbaum im Bibelgarten der Eberhardsgemeinde. Wie Brombeeren sehen sie aus. Lecker! Auch getrocknet ein Genuss. Eine habe ich mir aufgelesen und in die Schachtel mit dem Senfkorn gelegt, die bei mir auf dem Schreibtisch steht. Merkwürdige Mischung, werden Sie denken. Süß und scharf.
Beides zusammen erinnert mich an ein Wort Jesu, das mir wichtig geworden ist.
Da waren einige mit der Bitte an ihn herangetreten: „Herr: Stärke unseren Glauben!“ Jesus antwortete: „Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer und er würde euch gehorchen!“
„Wer’s glaubt, wird selig!“, werden die gedacht haben. Ist doch auch verwegen! Das Senfkorn ist gerade mal einen Millimeter klein und der Maulbeerbaum mit so starken Wurzeln ausgestattet, die ihn bis zu 600 Jahre lang in der Erde halten können.
Aber Jesus wollte uns eigentlich etwas Wunderbares zusprechen:
Dein Glaube darf klein sein wie ein Senfkorn! Wirklich! Lass dich nicht beirren von denen, die dich mit scharfem Auge taxieren und schein(bar) heilig fragen: „Glaubst du auch richtig?“
Krame das Senfkorn aus deinem Geldbeutel, das du seit dem heutigen Samstag immer mit dir herumträgst (als Erinnerung!), zeige es und sage: „Ja, ich glaube. Klein aber fein!“
Denn Jesus ging es nie um das rechte „Maß“ des Glaubens. Wenn er nach einer Heilung gesagt hat: „Dein Glaube hat dir geholfen!“, hat er dabei nicht den Glauben in seiner Größe und Stärke bemessen und beurteilt. Solches Taxieren war ihm fremd.
„Achtet euer bisschen Glauben nicht gering!,“ will Jesus vielmehr die Seinen ermutigen. Denn: Glaube lässt sich nicht messen. Glauben kann man auch nicht „haben“ im eigentlichen Sinne. Der Glaube lässt sich weder fassen, noch festhalten, noch selber machen.
Was euer Glaube vermag, schärft Jesus den Seinen ein, entscheidet sich allein daran, was ihr Gott zutraut und wie viel Raum ihr ihm lasst, um auch das Unvorstellbare zu tun.
Glaube ist Vertrauen und, wie einer mal gesagt hat, „Leidenschaft für das Unmögliche.“
Das aber heißt zweierlei: Dass ich es wage, auf Gott und seine grenzenlosen Möglichkeiten zu vertrauen und dass ich in diesem Vertrauen ein ehrliches und freimütiges Ja zu mir selbst finde. Zu meinen Möglichkeiten, wie zu meinen Grenzen.
In diesem Sinne: „Wer’s glaubt, wird selig!“
Pfarrer Christoph Wiborg, Eberhardskirche Tübingen
Geschrieben am 02.07.2010
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