Impuls / Predigt
Schultüten für alle!
„Du bist doch keine Schülerin mehr, du bist doch Relilehrerin“, entgegnete mir ein Grundschulkind, als ich steif und fest behauptete, genauso wie die Kinder in der Klasse eigentlich auch Schülerin zu sein. Das Kind ließ nicht locker: „Wer vorne steht und der Bestimmer ist, der ist Lehrer!“ Stimmt natürlich aus seiner Sicht. Es ahnte nicht, dass meiner Meinung nach das Schülersein zu allen Christenmenschen gehört. Mit allen meine ich wirklich alle, ob dem Schulalter längst entwachsen, ob Lehrerin oder Kinder mit bevorstehender Schullaufbahn.
Schülersein ist etwas, was die Existenz des Menschen bestimmt, wenn man ein Zitat von Martin Luther ernst nimmt: „Ein Christ ist gewiss ein Schüler, und er lernt bis in Ewigkeit“ (Weimarer Ausgabe 32, 136,3f). Martin Luther, der Reformator, spricht hier von einer christlichen Grundhaltung. Wir sind noch nicht, was wir sein werden, aber wir sind – hoffentlich offen – unterwegs auf dem Weg des Glaubens. Lernprozesse und erst recht Glaubenswege sind nie fertig, nie wirklich abgeschlossen. Als Christenmensch lernt man eben immer dazu, egal in welchem Alter. Wer meint, er hätte als Christ oder Christin schon alles begriffen, erlebt und erfahren, der ist nur noch ein Anhänger einer Tradition und kein lebendiges Glied der christlichen Gemeinschaft mehr.
Lernen heißt für mich nicht stures Einüben von Wissen, sondern offen sein für Begegnungen, für Menschen, für Gottes Wort, für neue Gedanken und neue Wege. Lernen meint den Kontakt halten zur Urkunde des Glaubens, der Bibel. Christliches Lernen heißt heute auch die Begegnung mit anderen Religionen fördern und suchen. Gemeinsam sind wir am Üben, am Lernen und am Tasten- und das - hoffentlich im gegenseitigen Respekt - gerade dort, wo wir unterwegs sind, ob an Schulen oder an anderen Lebensorten.
Nächsten Montag beginnt das neue Schuljahr, neue Klassen und Lerngemeinschaften wird es geben. So hoffe ich, dass eben auf beiden Seiten – auf Schüler- und Lehrerseite- die Schultüten mit Gottes Segen gefüllt sind und fröhliches Lernen möglich wird. Auf ein Neues!
Schülerin und Pfarrerin Gudrun Bertsch, Hagelloch
Geschrieben am 10.09.2010
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