Impuls / Predigt

Wer war denn Trinitatis?

Pfarrerin Elke Kaltenbach-Dorfi, Ergenzingen

Im Religionsunterricht der 11. Klasse sprachen wir über die Bibel und  ihren Einfluss auf  unseren Kalender. Erfreut nahmen die Schülerinnen und Schüler zur Kenntnis, wie viele schulfreie Feiertage sie der biblischen Botschaft verdanken. Da fragte eine  Schülerin: „Und wer war eigentlich dieser Trinitatis, nach dem so viele Sonntage im Kirchenjahr benannt sind?“ Der kommende Sonntag trägt den Namen „Trinitatis“. Die großen Feste wie Weihnachten und Ostern sind vorbei. Jetzt beginnt die lange Zeit, in der wir die Sonntage vom 1.bis zum 21. Sonntag nach Trinitatis nur noch durchzählen. Trinitatis war keine Person, wie jene Schülerin vermutete. Trinitatis bedeutet Dreieinigkeitsfest oder Dreifaltigkeitsfest. Es geht bei diesem Fest um Gott den Vater,  den Sohn und den Heiligen Geist. Gott Vater,  Schöpfer des Universum und allen Lebens. Jesus Christus, ein Mensch voll Vertrauen zum Vater und voll Liebe zu den Menschen, und gleichzeitig Gottes Sohn und Erlöser. Heiliger Geist , Kraft, die Glauben schenkt und  alles Leben erhält. Der eine und einzige Gott, sagt uns die Bibel, begegnet uns in der Geschichte und in unserem Leben als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Intensiv wurde und wird darüber gestritten, wie Gott drei und doch nur ein einziger sein kann. Bilder sollen das  veranschaulichen: Gott ist wie Wasser, das gefroren, flüssig oder  dampfförmig sein kann. Gott ist wie ein Kleeblatt, drei Blättern bilden zusammen eine Pflanze. Doch alle Denkgebäude und Bilder stoßen an ihre Grenzen. Wenn wir Menschen versuchen, Gott zu ergründen, gleichen wir jenem Kind am Meeresstrand. Es schöpft  mit einer Muschel Wasser aus dem Meer in eine Sandmulde und sagt: „Ich fülle das Meer in meinen Teich“ (frei nach Augustinus). Der dreieinige Gott bleibt für uns Menschen letztlich ein Geheimnis. Und vielleicht reicht es auch einfach ganz tief im Innern zu wissen: Gott ist  Liebe. Liebe, die alles und alle umgibt. Liebe, die trägt, mitfühlt und Kraft gibt. Liebe, die Hoffnung schenkt, allem Rätselhaften und Schweren zum Trotz. Der scharfsinnige Reformator Philipp Melanchthon sagte einmal: "Wir sollen die Geheimnisse der Gottheit nicht ausforschen, sondern anbeten." Ich kann Gott mit dankbaren Gedanken, Worten und Liedern anbeten. Doch genauso wichtig sind glaubwürdige Taten im alltäglichen Leben. Tätiger Glaube ist Anbetung Gottes.

Pfarrerin Elke Kaltenbach-Dorfi, Ergenzingen

Geschrieben am 07.06.2010


  

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