Impuls / Predigt

Steh, wenn der Wind kommt

Pfarrer Matthias Steinhilber, Remmingsheim

Der Herbst bringt den Wind. Manchmal auch Sturm. Und dann knickt ein oder wird verbogen, was nicht fest verwurzelt ist oder kein Stehvermögen hat.

So wie die israelitischen Soldaten vor Goliath in der berühmten Geschichte von David und Goliath (1. Samuel Kapitel 17): „sie fürchteten sich sehr“. Mich interessiert an dieser Geschichte nicht das Gewalttätige und der Krieg – das ist nicht der Weg Jesu. Auch nicht der Sieg des Kleinen über den Großen, obwohl der Charme hat. Mich berührt das Einknicken der Männer, die stehen sollten, und mich fasziniert das Aufstehen Davids: „Wer verhöhnt das Heer des lebendigen Gottes?“ David steht, wenn der Wind kommt.

Protest ist heute irgendwie en vogue, manchmal mit einem Beigeschmack von (für meinen Geschmack: zu) einfachem „dagegen“. Manchmal ist Negation schlicht billiger als Position, grundsätzliche Ablehnung verlockender als eine differenzierte Lösung.

Aber Schweigen ist auch nicht gesund, wenn es Kuschen meint. „Ich will mich nicht verweigern“ wird empfohlen für die, die zu schnell verstummen und nicht sagen, was sie bewegt; gerade sie sollen ihre Sache sagen und so Ichstärke gewinnen.

David steht für das, was ihn ausmacht. Er tritt ein für seinen Gott und so für seine Mitmenschen - auch bei Gegenwind.

Was gibt ihm die Kraft dazu? Hat er keine Angst um sein Leben wie die anderen? Kennt er keine Zweifel und Bedenken? Ist ihm der Gedankengang fremd: eigentlich sollte oder müsste ich jetzt Farbe bekennen, aber …? Schielt er nicht auf die Kosten und Konsequenzen?

So oft lassen wir uns verbiegen und beugen, geben dem Duck nach. Zu oft zeigen wir Christen statt eines frohen und aufrechten Gottvertrauens den geistlichen Haltungsschaden, der dem Gegenwind nachgibt. Zu oft zwingt die Furcht das Gottvertrauen in die Knie.

Das ist kein Plädoyer für Streit oder dafür, sich über Gegnerschaft zu definieren.

Mir wurde diese Geschichte zur Diagnose und Davids Haltung zur Therapie:

Er vertraut: Gott ist mit mir. Der treue Gott wird mich nicht verlassen, wenn ich für seine Ehre aufstehe.

Suchen Sie wie er die Ehre Gottes. Mit ihm an der Seite können Sie dem Gegenwind trotzen. Und diese wunderbare Glaubenserfahrung machen: mit meinem Gott kann ich!

Der Titel stammt übrigens von Stefan Effenberg. Es ist sein Rezept für eine erfolgreiche Sportkarriere. David hat mehr gewonnen: die aufrechte Glaubenszuversicht für’s Leben.

Pfarrer Matthias Steinhilber, Remmingsheim

Geschrieben am 21.10.2011


  

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