Impuls / Predigt

Den Blick verändern

Pfarrer Matthias Burger

Liebe Leserinnen und Leser,

konnten Sie die letzten Sonnentage genießen? Haben Sie viel gelacht? Gab es viele glückliche Momente? Ich hoffe es und wünsche es Ihnen.

Ich stehe mir für mein eigenes Glück manchmal selbst im Weg. Ich rege mich auf, wenn ein Glas kaputt geht, meine schöne Hose einen Fleck abbekommt, ich mir meinen Zeh anschlage. Oder es gibt ein Krisengespräch, das mir schon zwei Tage vorher die Stimmung vermiest. Der Nachbar nervt, oder der Arbeitskollege. Schüler, aber auch Eltern, regen sich auf über die LehrerInnen. Sollte ich mich nicht viel mehr meine Blickrichtung ändern und mich freuen über das Gute, das schon da ist? Sollte ich mich nicht über jeden schönen Apfel freuen, der reif am Baum hängt, anstatt mich zu beschweren über den niedrigen Erlös beim Verkauf von Mostobst?

Lästern und brutteln: das nimmt mir die Zufriedenheit und das Glück. Ich wünschte, ich könnte mehr reden über das, was gut ist. Schöne Blumen wachsen in meinem Leben, immer wieder bekomme ich nette Worte gesagt. Kinder machen sehr viel Freude. Was sind da schon Probleme! Die gehören zum Leben und jeder hat sie, ist nicht schlimm. Ich muss nur meinen Blick verändern, dann kommt das Glück von selbst.

So verhält es sich auch mit dem Glauben an die Auferstehung. Warum immer den Tod, die Krankheit, die Sorgen in den Mittelpunkt stellen, anstatt zu reden über das Schöne, das danach kommt: Freude, Lachen, Glück, Reichtum, Sattheit. Ja, wir können uns freuen, dass es so schön sein wird und wir können davon reden. Und plötzlich merken wir: ohne Lästern und Brutteln wird schon heute der Alltag mit Freude erfüllt. Auf wunderbare Weise kommt die Zukunft ins Hier und Jetzt.

Stimmt das? Sind wir wirklich unseres Glückes Schmid, einfach die Blickrichtung ändern? Es hört sich einfach an, und doch weiß ich: Der Tod kann so brutal sein, dass wir die Helligkeit der Auferstehung gar nicht sehen und glauben können. Gott selbst muss uns dafür die Augen öffnen, Glaube ist ein Geschenk. Wenn wir dann noch das Unsrige beitragen, nämlich die richtige Blickrichtung einnehmen, hin zu den schönen Dingen des Lebens, dann kann das Wetter machen, was es will. Glück gibt’s – Gott sei Dank - auch bei Sturm, Schnee, Kälte und Dunkelheit.

Ich wünsche Ihnen die Veränderung des Blickes. Dann müssen Sie nicht auf die Auferstehung warten, dann leben Sie in vollen Zügen schon vor dem Tod.

Pfarrer Dr. Matthias Burger, Wankheim/Jettenburg

Geschrieben am 07.10.2011


  

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