Impuls / Predigt

Euer Ja sei ein Ja

In den evangelischen Kirchengemeinden werden am kommenden und den darauffolgenden Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Und fast zeitgleich beginnen schon die Vorbereitungen für den neuen Konfirmandenjahrgang. Am Informationsabend war von den Jugendlichen als Wunsch immer wieder zu hören, „dass wir uns gut verstehen“, also die Hoffnung auf eine gute Gemeinschaft, ein angenehmes Miteinander.

Mit diesem Wunsch bringen die Jugendlichen zum Ausdruck, was sie brauchen: eine Gruppe als ein offener und geschützter Ort der Begegnung sowie eine Atmosphäre, die es ihnen ermöglicht, sich über die eigenen Fragen und Überzeugungen auszutauschen und manche Antworten zu wagen. Vertrauen zueinander ist eine Voraussetzung auf dem Weg des Fragens und Suchens nach lebensrelevanten Antworten.

Ich wünsche den neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden für diese Zeit, dass sie Jugendlichen und Erwachsenen begegnen, die bereit sind, sich über ihren Glauben, ihr Fragen und Suchen wie auch über ihre Zweifel auszutauschen, die sich Zeit für Gespräche nehmen, die Vorbilder im Glauben sind.

Nach einem Jahr soll dieses Fragen nach Gott, nach Glaubensüberzeugungen und den eigenen Werten in einen festlichen Gottesdienst münden. Denn der Unterricht endet mit Gottes Segen und der Frage: Willst du die Taufe, um die deine Eltern und Paten stellvertretend für dich gebeten haben, nun selbst bejahen und sie somit zu deiner eigenen Entscheidung machen?

Mir selbst ist das Gespräch mit meinem Pfarrer in Erinnerung. Kurz vor der Konfirmation redeten wir darüber, ob und aus welchen Gründen wir „konfirmieren“, also bekräftigen wollten, was viele Jahre zuvor von unseren Eltern gewünscht wurde. Bis heute denke ich, dass der Anspruch und die Tragweite der Entscheidung sehr groß sind. Damals war ich mir unsicher, ob ich dies wirklich selbst wollte und inwieweit auch die Alternative, mich nicht konfirmieren zu lassen, eine Option war. Wie viele aus unserer Gruppe damals und auch heute traf ich diese Entscheidung mit großem Ernst.

Anlässlich der Konfirmationen können wir uns alle, auch die Erwachsenen, diese Frage neu stellen und Jesu Wunsch entsprechend unser Ja wie auch unser Nein ehrlich und ernst sprechen: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. (Matthäus 5,37).

Den Jugendlichen, die morgen und an den folgenden Sonntagen Konfirmation feiern, wünsche ich, dass ihr Ja zu einem wachsenden Ja werde.

Pfarrerin Marie Knödler, Pfäffingen

Geschrieben am 05.05.2017


  

Mehr Impulse und Predigten