Impuls / Predigt

Was steht ihr da und seht gen Himmel? Nachdenken über Himmelfahrt

Viele kennen Himmelfahrt gar nicht mehr unter seinem ursprünglichen Namen. Der Feiertag heißt bei ihnen „Vatertag“, analog zum Muttertag. An ihm finden vielerorts jene Männerausflüge statt, mit Bollerwagen und Bierkästen drauf, die nicht selten dort enden, wo die Flaschen geleert und die Herren abgefüllt sind und rücklings auf der Wiese gen Himmel schauen.
Himmelfahrt gehört zu den sogenannten „Herrentagen“, und so wird er in manchen Gegenden in Nord- und Ostdeutschland auch genannt. Herrentage sind, im Unterschied zu den Tagen, die Heiligen gewidmet sind, diejenigen christlichen Feiertage, die nur mit dem „Herrn“, also Jesus Christus zu tun haben: Weihnachten, Ostern, oder eben Himmelfahrt. Die Geschichte dazu steht am Anfang der Apostelgeschichte. Als Jesus vor den Augen seiner Jünger in eine Wolke entschwand, schauten sie ihm nach. Zwei Gestalten in weißen Gewändern standen plötzlich bei ihnen und sprachen sie an: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?“ Eine Männergeschichte also. Doch waren die Mannen damals noch gut zu Fuß. Immerhin „einen Sabbatweg weit“ mussten sie zurücklaufen nach Jerusalem und in das Obergemach hinaufsteigen, in dem sie sich versammelten. Und das ausdrücklich „samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu“. Dieser Rückweg an Himmelfahrt ist entscheidend wichtig. Statt weltvergessen nach oben zu starren, richtet er die Blicke zurück, weg von der Wolke, weg vom Himmel, hin zu der bewohnten Stadt, zurück zum menschlichen Miteinander auf Augenhöhe, Der da ihren Blicken entschwand, wird sich nicht verändern. Er behält seine Identität, „wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“, versichern ihnen die beiden weißgewandeten Gestalten. Soll heißen: Die himmlische Gestalt Christi ist identisch mit dem Mann, der mit ihnen zusammen durch Galiläa zog. Wenn sie also wissen wollen, wer der „da oben“ im Himmel ist, müssen sie sich an den Menschen Jesus halten, der mit ihnen gelebt hat und auf Golgatha gekreuzigt wurde.
Das gilt bis heute. Auch wenn behauptet wird, das Kreuz habe in erster Linie eine identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft. Für Christinnen und Christen bleibt es unlösbar verbunden mit dem Gekreuzigten. Seine Heimat ist in Galiläa. Das angeblich so christliche Abendland hat seine Wurzeln also im Morgenland. Darauf sei heute unser Blick gerichtet!

Pfarrer Hans-Michael Wünsch, Pfarramt Mähringen und Immenhausen

Geschrieben am 08.05.2018


  

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