Impuls / Predigt

Propaganda für die Schöpfung

Urlaub ist für mich: Zeit haben, draußen sein, die Sonne auf der Haut spüren, die Kühle im Schatten eines Baumes. Vögel und Kühe auf der Weide vor Augen.
Mein Blick öffnet sich für die Wunder der Schöpfung. Im selben Moment sehe ich: vertrocknete, braune Weiden, die dem Vieh kein Futter mehr geben. Dürres Laub, das zu früh von den Bäumen fällt. Plastikmüll an entlegenen und schönen Orten. Wunden, die menschliche Zivilisation mit verursacht.
In den vergangenen Wochen habe ich dies wahrgenommen unter dem Eindruck eines Films: »Papst Franziskus« von Wim Wenders. Er hat mich tief beeindruckt. Es ist das erste Mal, dass sich ein Papst nach dem Mönch Franz von Assisi (1182-1226) nennt. Er begründet das so: »Ich glaube, dass Franz von Assisi das Beispiel schlechthin ist für die Achtsamkeit gegenüber den Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte Ökologie.« In klaren Worten benennt Papst Franziskus im Film die gegenwärtige ökologische Krise   -   und ihre Verantwortlichen: »Wer ist die Ärmste, die Allerärmste unserer Zeit?« fragt er. Seine Antwort: »Unsere Mutter Erde.« »Und wer ist verantwortlich für ihre Zerstörung? Jeder und jede von uns.«
Auch ich fahre mit dem Auto. Ich esse in Plastik verpackte Lebensmittel. Ich heize im Winter oft mehr Räume als notwendig. Papst Franziskus plädiert für eine »Ökologie des Alltagslebens«. Die es sich leisten können, mehr Ressourcen zu verbrauchen als sie benötigen, gerade die fordert er auf, in Solidarität mit der Schöpfung darauf zu verzichten.
Kritiker bezeichnen den Film als »reinen Kitsch« (SPIEGEL) oder als »ödes Propagandawerk für und mit Franziskus« (Magazin Cicero). Wahrscheinlich halten sie auch das Lob der Schöpfung in den biblischen Psalmen für Kitsch und Propaganda: »Ewiger, du lässt Wasser in den Tälern quellen, dass alle Tiere des Feldes trinken.// Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.// Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat für den Menschen, dass Brot hervorgehe aus der Erde und Wein erfreue des Menschen Herz.« (Psalm 104)
Ich will diese Worte mitsingen und mitbeten! Gerade in einer so beschädigten Schöpfung. Ich brauche diese Worte als »Propaganda« für die Schöpfung Gottes. Gegen ihre Zerstörung, ihren Missbrauch will ich eintreten und einen Beitrag leisten für ihre Bewahrung.

Pfarrerin Beate Schröder, Klinikseelsorgerin am Universitätsklinikum Tübingen

Geschrieben am 10.09.2018


  

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