Impuls / Predigt

Hoffnungslicht

„Wir haben seinen Stern gesehen.“ Das Erscheinungsfest, volkstümlich der Tag der Heiligen Drei Könige, führt noch einmal nach Bethlehem, ehe das neue Jahr endgültig Fahrt aufnimmt und zum Alltag wird.

In der Bibel sind es keine Könige, die an der Krippe erscheinen. Sondern Sternkundige aus dem Orient. Sie kannten den Himmel, konnten die Bewegung der Sterne deuten und Folgerungen für das Leben auf der Erde daraus ziehen. Astrologen waren es also. Astrophysiker wären sie heute wohl. Doch was für einen Stern haben sie gesehen? Alle Versuche, die Geschichte anhand besonderer Himmelserscheinungen um die Zeitenwende zu verorten, haben nicht zum Ergebnis geführt. Der Auftritt der Weisen bleibt legendenhaft. Also nur mythischer Bodennebel, wie er oft um das Erscheinen von Stars und Sternchen gelegt wird?  

Ich lese den Auftakt des Matthäusevangeliums anders. Im Anfang liegt schon das Ganze: Ein Kind, gefährdet vom ersten Tag. Dann gerettet, wie Mose. Und zum Hoffnungslicht für Viele geworden. Das Evangelium verbindet Jesus unauflöslich mit seiner Herkunft, mit den Hoffnungen des jüdischen Volkes. „Es wird ein Stern aufgehen aus Jakob“, hieß es lange vor Jesu Geburt. Diese Sternenverheißung ist wach geblieben, in der jüdischen Erwartung wie im Christentum: „Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ (Jochen Klepper)

Aber warum lösten die Weisen und ihre Frage nach dem neugeborenen König der Juden so mörderisches Erschrecken bei Herodes aus, bis zum Kindermord von Bethlehem? Da liest sich die Geschichte auffallend aktuell. Sie bringt die Konfrontation zwischen den damaligen Großmächten in West und Ost zum Vorschein. Im Nahen Osten entlud sie sich immer wieder, mit Auswirkungen bis ins Leben der Einzelnen. Von Anfang an verbindet sich Jesu Weg darum mit den großen Spannungen der Weltgeschichte. Gerade in diesem Anfang leuchtet schon das Ganze auf: Die Hoffnung, dass Gott mit der Geburt unter einem besonderen Stern einen neuen Anfang setzt, ein Hoffnungs- und Friedenslicht, das alle Welt erhellen wird.

Und die Sterndeuter? Sie trugen zur Rettung des Kindes bei, indem sie es nicht verrieten, sondern auf anderem Weg heimkehrten. Sind sie an der Krippe zu Glaubenden geworden? Ein großer Kommentar zum Matthäusevangelium sieht´s anders: Sie seien geblieben, was sie waren, „weise und fromme Heiden“.  Doch ob so oder so: Sie nehmen einen wichtigen Platz an der Krippe ein.

Elisabeth Hege, Dekanin des Kirchenbezirks Tübingen

Geschrieben am 05.01.2019


  

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