Impuls / Predigt

Er ließ sich’s etwas kosten

Kann ich etwas hergeben, das ein anderer Mensch dringend braucht? Ich bin bei guter Gesundheit. Dafür bin ich dankbar. Gerade deshalb könnte ich jemand eine meiner Nieren geben... einen Lungenflügel, einen Teil meiner Leber. Bei diesem Gedanken zucke ich zusammen: Gefährde ich mich damit nicht selbst?

Jetzt wird mir bewusst, was Jesus gewagt hat. Er sagte: für euch – für dich. Damit meinte er nicht eines seiner Körperorgane. Jesus meinte sein ganzes Leben, sich selbst. Er sagte: für euch – für dich, als er mit seinen Jüngern das Mahl feierte, das wir Abendmahl oder Kommunion nennen. Ein Brot zerbrechend, deutete er: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ (Lukas 22,19) Was für ein Einsatz! Was für eine Hingabe!

So viel sind wir Gott wert. Jesus, mit dem sich Gott gleichsetzte, gab uns sein Leben. Obwohl unschuldig, wurde ihm der Prozess gemacht. Der endete mit Todesstrafe durch Kreuzigung. Wie bei einer Organspende Leben weitergeschenkt wird, so schenkt Jesus uns göttliches Leben: für dich – für euch. Göttliches Leben meint nicht, dass unsere Körperfunktionen stimmen. Göttliches Leben ist, wenn wir Menschen innig mit Gott verbunden sind. Dann trübt nichts die Übereinstimmung mit Gott, sind wir „ein Herz und eine Seele“ mit Gott. Das ist ewiges Leben. Dafür sind wir Menschen gemacht.

Doch wir haben uns von Gott abgesetzt: Manchmal brauchen wir ihn, doch vieles regeln wir lieber selbst. Wir probieren, ob wir ohne Gott nicht genauso gut oder besser zurechtkommen. Damit ist zerstört, was Gott wollte: Dass wir sein Gegenüber sind, dass es harmonisch ist zwischen uns und Gott. Wenn dies zerstört ist, ist das Beziehungstod in seiner tiefsten Ausprägung.

Diesen Tod nimmt Gott auf sich – auf Jesus, mit dem Gott sich gleichsetzte. Gott straft uns Menschen nicht, obwohl er gutes Recht dazu hätte. Gott zieht sich auch nicht zurück. Er nimmt den Tod – diese zerstörte Beziehung – auf sich. Er dient, anstatt sich dienen und bedienen zu lassen. Ablesbar ist das an Jesus, der sein Leben hingab, der am Kreuz starb. Er versteht das als Lösegeld, um uns freizukaufen aus dem Beziehungstod zu Gott. Das besagt der Sonntagsspruch für morgen: „Der Menschensohn ist nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele“  (Matthäus 20,28). Jesus schafft von neuem Harmonie mit Gott, macht uns göttliches oder ewiges Leben zugänglich. Ob wir davon Gebrauch machen, liegt bei uns. Ich jedenfalls staune darüber und bin sehr dankbar!

Pfarrer Friedhelm Schweizer, Derendingen

Geschrieben am 05.04.2019


  

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