Suchtberatung des Diakonischen Werks sucht Partner

Die Suchtberatung des Diakonischen Werks Tübingen möchte der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen mit einem neuen Partner weiterentwickeln. Die gegenwärtig zwei Personalstellen seien zu wenig und in ihrer Zielsetzung – vorwiegend für Konsumenten legaler Drogen – auch zu spezifisch, sagte der Synodale Siegfried Hoch am Montag, 26. November vor der 125-köpfigen Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks im Tübinger Eberhardsgemeindehaus.

Hoch, im Hauptberuf Direktor des diakonischen Jugendhilfe-Vereins Sophienpflege in Tübingen-Pfrondorf, hatte deshalb im Auftrag des Kirchenbezirks nach Kooperations- oder sogar Übernahmepartnern Ausschau gehalten: Nachdem von anfänglich vier Interessenten einer wieder abgesprungen war, werden nun auf Beschluss der Synode mit den verbliebenen drei konkrete und ergebnisoffene Gespräche geführt, nämlich mit dem Diakonieverband Reutlingen, den Zieglerschen Anstalten Wilhelmsdorf und mit dem Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV), der seit einiger Zeit auch die zweite Tübinger Suchtberatungsstelle, die ehemalige Drogenhilfe betreibt. Finanzielle Motive stünden nicht im Vordergrund, betonte Hoch, deshalb sei über Geld auch noch gar nicht gesprochen worden. Wichtig sei, dass für die Klienten eine qualifizierte und umfassende Beratung gewährleistet sei und dass die beiden bisher beim Diakonischen Werk angesiedelten Personalstellen auch unter neuer Trägerschaft dauerhaft erhalten blieben.

Der Haushaltsplan 2008 für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen mit einem Gesamtvolumen von 5.565.825 Euro wurde von der Synode beschlossen. Eine deutliche Erhöhung gegenüber dem Ansatz für 2007 resultiert nach Angaben von Verwaltungsstellenleiter und Bezirksrechner Martin Schüßler daraus, dass die bisher über die Haushalte der Kirchengemeinden finanzierten Gemeindediakoninnen und -Diakone jetzt im Haushalt des Diakonischen Werks auftauchen; dies macht einen Unterschied von exakt 500.000 Euro. Dazu wurde die Kirchenbezirksumlage von 15,75 Euro im Jahr 2007 um 5,55 Euro auf 21,30 Euro für 2008 angehoben; da die Kirchengemeinden im Gegenzug jedoch eine ebenfalls um 5,55 Euro erhöhte Kirchensteuerzuweisung erhalten, ist die Bilanz für die Kirchengemeinden neutral.

Die Kirchenbezirksumlage in Höhe von 1.876.210 Euro verwendet der Kirchenbezirk zu rund drei Vierteln für die drei Arbeitsfelder Diakonie (27,3 Prozent), Jugendarbeit (25,3 Prozent) und Seelsorge (20,5 Prozent).Kirchenbezirksumlage

In ihrem Bericht zog Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer Bilanz am Ende der sechsjährigen Legislaturperiode der kirchlichen Leitungsgremien: Der Schwerpunkt der synodalen Arbeit habe in der aktuellen Legislaturperiode auf den Themen Diakonie und Sozialpolitik gelegen, dabei habe Tübingen sich auch nach Einschätzung von Außenstehenden als das „soziale Gewissen der Landeskirche“ profilieren können, das damit in der Nachfolge Jesu stehe. Für den seelsorgerlichen Schwerpunkt des Kirchenbezirks sei es in der gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Landkreis um Zuschüsse für die ökumenisch getragene Psychologische Beratungsstelle in der Brückenstraße gegangen: Da die Kirchen hier Beratungsleistungen erbrächten, zu deren Vorhaltung der Landkreis gesetzlich verpflichtet sei, habe man diesen nach dem Ausfall von Landeszuschüssen finanziell stärker in die Pflicht nehmen müssen. Landrat Walter, der katholische Dekan Thomas Steiger wie auch sie selbst hätten die Verhandlungen dabei mit dem Ziel einer außergerichtlichen Einigung geführt; diese sei nun nach der Zustimmung der evangelischen und der katholischen Seite in greifbare Nähe gerückt; der Kreistag werde Anfang Dezember darüber beraten. Nach Angaben von Dekanin Dr. Kling-de Lazzer sieht der neue Vertrag einen Sockelbetrag von rund 150.000 Euro jährlicher Förderung vor – angestrebt war ursprünglich ein Förderbetrag von 186.000 Euro. Durch die Abarbeitung von so genannten „Bonusfällen“, die vom Allgemeinen Sozialdienst vermittelt werden, könne ein Gesamtbetrag von 180.500 Euro erreicht werden, dafür müsse die Beratungsstelle aber auch eine erheblich erhöhte Beratungsleistung erbringen, unter anderem durch zusätzliche Sprechstunden in Mössingen.

Zum Auftritt des islamischen Predigers Pierre Vogel am Totensonntag in der Tübinger Hepper-Halle sagte die Dekanin, die evangelische Kirche nehme für sich das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch und gestehe dies auch anderen zu, sie sei zudem bereit und interessiert am Dialog. Wer jedoch seine Meinung absolut setze und zu einem Gespräch auf Augenhöhe nicht bereit sei, könne kein Dialogpartner sein; der Kontakt zwischen der evangelischen Kirche und dem Islamischen Verein Tübingen, der Pierre Vogel eingeladen habe, sei deshalb bereits früher auf beiden Seiten abgebrochen. Irritiert zeigte sich die Dekanin darüber, dass eine derartige Veranstaltung am Totensonntag, der als stiller Tag besonderen staatlichen Schutz genieße, genehmigt wurde.

Die Einrichtung eines Ausschusses für Kindertagesstätten wurde von der Bezirkssynode neu beschlossen: Damit kann der Kirchenbezirk auf Wunsch die Betriebsträgerschaft für Kindertagesstätten von einzelnen Kirchengemeinden übernehmen. Die Baulast für die Gebäude wie auch die religionspädagogische Betreuung blieben dennoch bei den Kirchengemeinden, insbesondere im Personalbereich hoffen die Verantwortlichen durch die übergreifende Struktur auf einen Gewinn an Flexibilität für die Betroffenen. Die Kirchengemeinden Rottenburg und Kusterdingen hatten Interesse an einer Abgabe der Betriebsträgerschaft für ihre Kindertagesstätten an den Kirchenbezirk signalisiert.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 23.11.2007.


  
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