Auferstehungsglaube ist die „theologische Weltformel“

Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer

Als „theologische Weltformel“ hat die Tübinger Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer den Auferstehungsglauben des Apostels Paulus bezeichnet. In ihrer Osterpredigt am Ostersonntag in der Tübinger Stiftskirche legte sie einen Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief aus. Jenseits menschlicher Vorstellungen von Raum und Zeit, aber mitten im Leben eröffne der Glaube an die Auferstehung eine neue Dimension.

Vor dem Hintergrund einer Meinungsumfrage, der zufolge zwar nur elf Prozent der befragten Deutschen gar nicht an eine Auferstehung glauben, die Mehrheit aber eher diffuse Vorstellungen davon hat, sagte die Dekanin: „Die Auferstehung Jesu Christi ist kein Geschehen von der Art anderer historischer Ereignisse. Der Glaube daran berührt die Grenze dessen, was wir wissen und denken können.“ Auch vom ängstlichen Zögern der ersten Zeuginnen am Ostermorgen bis zur Gewissheit des Paulus habe es seine Zeit gebraucht, erklärte die Dekanin: „So sehe ich auch uns heute in Spannung stehen zwischen der Furcht und dem Schrecken der Frauen, die vom leeren Grab fliehen, und der siegessicheren, erfahrungsgesättigten Gewissheit eines Paulus, dessen Glaube zutiefst im Auferstehungsglauben gründet.“

Christlicher Osterglaube sei zukunftsgerichtet, sagte Dekanin Dr. Kling-de Lazzer: „Diese Welt bleibt nicht, wie sie ist, mit ihrer Korruption, ihrem Gefeilsche um Macht und Einfluss, mit dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, mit menschenverachtenden Herrschaftsverhältnissen. Gott hat Besseres mit den Menschen und der Welt vor.“ Menschliche Macht sei deshalb immer nur geliehene Macht: „Darum protestieren Christen gegen die Todesstrafe. – Und setzen sich dafür ein, dass die Macht von Menschen zeitlich und örtlich begrenzt wird. Insofern hat die demokratische Staatsform bei aller Mühsal eine Affinität zum christlichen Glauben.“

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Auferstehung sei, mit den großen Texten der Bibel auszusprechen zu lernen, „dass es Licht gibt bei so viel Finsternis, dass es Freiheit wirklich gibt, dass der Tod keine Grenze ist, und dass Gott groß ist, viel größer, als unser Kleinglaube ihm an den Werktagen unseres Glaubens zugestehen möchte.“

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 23.03.2008.


  
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