Aktuelle Nachrichten

"Bibel für Schwoba" - mit Fotogalerie und Hörprobe

Pfarrer Rudolf Paul

"Jetz hot koiner mehr a Ausred, dass'r d'Bibel net verstoht", sagte der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose bei der öffentlichen Vorstellung der "Bibel für Schwoba" am Sonntag, 25. Mai in der Tübinger Stiftskirche. Der Übersetzer, Pfarrer Rudolf Paul, überreichte dem Prälaten das erste Exemplar.

Bilder vom Festgottesdienst in unserer >>> Fotogalerie

Bericht über die "Bibel für Schwoba" für das Evangelische Gemeindeblatt

Mehr als 25 Jahre lang hat Pfarrer Rudolf Paul „jede freie Stunde“ damit verbracht, die Bibel ins Schwäbische zu übersetzen, und zwar direkt aus dem hebräischen und griechischen Urtext. „Im Dialekt ist man näher bei den Leuten“, hat der Ruhestands-Pfarrer erkannt. Die Liebe zum Wort Gottes verbindet er deshalb mit der Liebe zum schwäbischen Dialekt – nicht nur in seiner Bibelübersetzung, sondern auch in seiner „schwäbischa Kirch“, also den Mundartgottesdiensten, zu denen er sich von Gemeinden einladen lässt. Klamauk oder Derbheit – Attribute, die viele mit Mundart-Texten verbinden – sind Pauls Sache dabei nicht, ihm geht es um Sprache als Kulturgut. In seinen schwäbischen Gottesdiensten will er deshalb kein Spektakel veranstalten, sondern „ernsthaft, theologisch durchdacht, rhetorisch sauber gestaltet und zu Herzen gehend verkündigen“. Das war auch der Maßstab für seine Bibelübersetzung: „Ich will aus dem Wort Gottes keine Gaudi machen – aber es darf Spaß machen, in der Bibel zu lesen.“ Mit seiner Übersetzung möchte er neue Zugänge zur Heiligen Schrift eröffnen: „Schriftdeutsch ist amtlich, Mundart ist menschlich.“

Die Idee für eine Mundart-Bibel hat Paul aus Norddeutschland mitgebracht: Der aus Kirchheim an der Teck stammende Schwabe hatte seine theologische Ausbildung an einem Baptisten-Seminar in Hamburg und als Gasthörer an der dortigen Fakultät absolviert; danach war er zehn Jahre lang Pastor einer Baptistengemeinde in Ratzeburg gewesen. Dort hatte er Kollegen auf plattdeutsch predigen gehört und gemerkt, „dass das Wort Gottes die Leute so noch mal ganz anders erreicht“. Zurück in Württemberg, fing er gleich in seinem ersten Amtsjahr als Pfarrer in Kuchen (Dekanat Geislingen) an, die Weihnachtsgeschichte zu übersetzen.

Dass er als Vorlage nicht etwa die deutsche Luther-Übersetzung, sondern die Urtexte der Bibel, also das hebräische alte Testament und das griechische neue Testament wählte, erklärt der knitze Schwabe so: „Jede Übersetzung ist auch eine Interpretation, und jede hat ihre Fehler. Ich hab mir gedacht, es langt, wenn meine eigenen Fehler drin sind“. In diesem Punkt hat er allerdings Vertrauen in sein Werk: Auf die Frage, wer denn wohl mehr Fehler gemacht habe, Luther oder er selbst, lässt er die Antwort lächelnd offen. Dafür macht er an einem konkreten Beispiel deutlich, wie sehr eine Übersetzung immer auch mit Theologie und Glauben zu tun hat: Der Apostel Paulus stellt im achten Kapitel seines Römerbriefes nach der Lutherübersetzung den Gegensatz zwischen „geistlicher“ und „fleischlicher“ Gesinnung dar. Diese Fleischeslust habe aber nichts mit Sexualität zu tun, betont Paul: „Durch die Luther-Übersetzung haben fromme Leute eine verklemmte Einstellung zu ihrer Leiblichkeit!“ Paul übersetzt stattdessen mit „irdisch-menschliche Gesinnung“.

Ehefrau Gertrud Paul hat die schwäbische Bibelübersetzung von Anfang an interessiert begleitet: „Das war ideal, dass er auch im Ruhestand was zu tun hatte“, sagt sie schmunzelnd. Dass ausgerechnet seine aus Ostpreußen stammende Frau reinstes Schriftdeutsch spricht, ficht den bärtigen Pfarrer nicht an: „Wir haben noch nie Verständigungsprobleme gehabt!“

Bilder vom Gottesdienst in der Stiftskirche:
>>> Fotogalerie

Weitere Informationen
>>> zu Pfarrer Rudolf Paul
>>> zur "Bibel für Schwoba"

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 26.05.2008.


Weitersagen:


Mehr aktuelle Nachrichten

Hörprobe: Vaterunser

Nur wenn das Audio-File nicht automatisch startet: