Diakonie, Jugendarbeit und Seelsorge sind Schwerpunkte

Martin Schüßler

Als „ein solides Werk“ bezeichnete Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer den Kirchenbezirkshaushalt 2009 vor der 125-köpfigen Tübinger Bezirkssynode am Montag, 1. Dezember in Tübingen. Bezirksrechner Martin Schüßler (Bild links) mahnte trotz gegenwärtig sprudelnder Kirchensteuereinnahmen zu strenger Ausgabendisziplin wegen steigender Personal- und Gebäudeunterhaltungskosten.

Mehr Transparenz und eine gezieltere inhaltliche Planung soll ein neues Finanzsystem ermöglichen, das die Evangelische Landeskirche eingeführt hat und das der Kirchenbezirk Tübingen zum Jahr 2009 erstmals einsetzt. Der neue „Plan für die kirchliche Arbeit“ enthält deshalb neben dem eigentlichen Haushaltsplan zusätzlich auch inhaltliche Schwerpunkte und Zielvorgaben. Der Haushaltsplan 2009 für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen mit einem Gesamtvolumen von 6.539.160 Euro wurde von der Synode einstimmig beschlossen. Eine deutliche Erhöhung gegenüber dem Ansatz für 2008 resultiert nach Angaben von Martin Schüßler aus Personalkostensteigerungen, vor allem aber daraus, dass der Kirchenbezirk zum Jahresbeginn 2009 die Betriebsträgerschaft und damit auch das Personal von fünf Kindertagesstätten der evangelischen Kirchengemeinden Rottenburg und Kusterdingen übernimmt. Den von der Landeskirche aus Mehreinnahmen ausgezahlten Nachschlag von zusätzlich drei Prozent der Kirchensteuereinnahmen an die Kirchengemeinden werde der Bezirk seinen Gemeinden aber komplett überlassen und nichts davon beanspruchen, um eigene Personalkostensteigerungen aufzufangen. Stattdessen würden 32.950 Euro aus den Rücklagen entnommen. Die Kirchenbezirksumlage 2009 steigt um rund drei Prozent auf 22 Euro pro Gemeindeglied und damit insgesamt auf 1.926.400 Euro. Den größten Teil davon gibt der Kirchenbezirk für die Arbeitsfelder Diakonie (32 Prozent), Jugendarbeit (30 Prozent), Seelsorge (26 Prozent), Bildung (neun Prozent) und Kirchenmusik (zwei Prozent) aus.

Tortengrafik zum Bezirkshaushalt
„Wichtig ist mir, dass bei unserem Wirken, den Auftrag der Kirche zu erfüllen, die Finanzfragen nicht an erster Stelle stehen“, hatte Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer bereits zu Beginn der Synode gesagt: „Das Evangelium von der frei machenden Gnade Gottes ist nicht an Wohlstand und prosperierende Wirtschaft gebunden, und es ist nicht mit Geld und Macht verschwägert – Gott sei Dank nicht!“ Dankbar zeigte sie sich gleichwohl dafür, dass in der gegenwärtigen Finanzkrise weder die Landeskirche noch der Kirchenbezirk Tübingen Verluste erfahren hätten. In ihrem Bericht verwies die Dekanin auf die zahlreichen kirchlichen Dienste, die sich unmittelbar vor der Synode bei einem Tag der offenen Tür im Haus der Kirche („Villa Metz“) präsentiert hatten: Infos aus erster Hand hätten die diakonischen Beratungsstellen ebenso angeboten wie die zahlreichen Seelsorge- und Bildungsangebote, Frauenwerk und Bauernwerk sowie Medienpfarramt, Kirche am Markt, Mitarbeitervertretung, Kirchenmusik, kirchlich-theologischer Arbeitskreis, Prädikantenarbeit oder der Kamerun-Partnerschaftsausschuss. Zur Beteiligung von sechs evangelischen Kirchengemeinden und vier weiteren evangelischen Einrichtungen am Zertifizierungsverfahren für die Umwelt-Auszeichnung „Grüner Gockel“ sagte die Dekanin: „Wir dürfen schon ein wenig stolz darauf sein, dass die Bewahrung der Schöpfung nicht nur Lippenbekenntnis bleibt, sondern auch im konkreten Alltag der Kirchengemeinden Konsequenzen zeigt.“ Zur Flüchtlingspolitik sagte Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer, sie begrüße die Entscheidung, dass die Europäische Union und Deutschland 10.000 Flüchtlingen aus dem Irak, darunter vielen Christen in verzweifelter Lage, eine neue Heimat bieten wolle. Die Tübinger Gesamtkirchengemeinde diskutiere derzeit eine Unterstützung der save-me-Kampagne zur Aufnahme besonders gefährdeter Flüchtlinge.

„Sprachfähig werden für den Glauben“ soll auf Vorschlag der Dekanin und nach dem entsprechenden Beschluss der Bezirkssynode das Jahresthema für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen in den Jahren 2009 und 2010 sein. Das Thema nehme ein zentrales Anliegen der Reformation auf, nämlich dass Menschen zu mündigen Christen würden, die ihren Glauben selbst artikulieren könnten, erklärte die Dekanin: „Aufgrund des starken Traditionsabbruchs und einer zunehmenden religiösen Vielfalt ist heute eine ganze Generation gefordert, gemeinsam neue Wege aus der Sprachlosigkeit in Glaubensfragen zu finden.“

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 02.12.2008.


  
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