Aktuelle Nachrichten

Pfarrerwechsel: Feine, Schwab-Godel, Braunschweiger, Schaller

Pfarrerin Gerlinde Feine

Während die Tübinger Pfarrer Heinrich Braunschweiger und Karlfriedrich Schaller in den Ruhestand verabschiedet wurden, kündigen sich weitere Wechsel an: Pfarrerin Gerlinde Feine geht von Ofterdingen ans Pädagogisch-theologische Zentrum der Landeskirche, Pfarrer Markus Schwab-Godel von Ergenzingen zur Notfallseelsorge Stuttgart.

Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Ofterdingen, Gerlinde Feine (Bild links), wechselt nach Stuttgart: Zum 1. Juni übernimmt sie eine Pfarrstelle am Pädagogisch-Theologischen Zentrum (PTZ) der evangelischen Landeskirche, um dort als Referentin am Projekt „Theologie der Lehrkräfte stärken“ mitzuarbeiten.

Die 41-Jährige ist seit 2001 Pfarrerin in Ofterdingen. Ihre pfarramtlichen Erfahrungen – vor allem im Unterricht – möchte sie nun auch an der neuen Stelle einsetzen: Am PTZ wird sie Schulungsprogramme für Religionslehrkräfte und Erzieherinnen mit entwickeln: Lernprogramme, die den Verantwortlichen helfen sollen, mit den religiösen Fragen der Kinder gut umzugehen und die Vorgaben des neuen Bildungsplans umzusetzen. Die Pfarrstelle in Ofterdingen wird wieder zur Besetzung ausgeschrieben.

Pfarrer Markus Schwab-GodelDer Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Ergenzingen, Markus Schwab-Godel (Bild links), wechselt nach Stuttgart: Zum 1. Juni übernimmt er dort mit einem halben Dienstauftrag die Leitung der Notfallseelsorge Stuttgart, mit den anderen 50 Prozent seiner Arbeitskraft wird er Gemeindepfarrer in Stuttgart-Kaltental im Wohngebiet Dachswald sein.

Dass Schwab-Godel seine erste Gemeindepfarrstelle schon nach drei Jahren wieder verlassen würde, war nicht geplant: Er fühle sich sehr wohl in Ergenzingen, berichtet der 39-Jährige. Grund für den Wechsel nach Stuttgart war seine Fachkompetenz: Als „Pfarrer zur Anstellung“ war Schwab-Godel vor seiner Ergenzinger Zeit im landeskirchlichen Pfarramt für Polizei und Notfallseelsorge zuständig gewesen für den Auf- und Ausbau der Notfallseelsorge in Württemberg. Als die Notfallseelsorge Stuttgart jetzt eine geeignete Person für die gemeinsam von Kirchenkreis und Stadt Stuttgart finanzierte Leitungsstelle suchte, wurde Schwab-Godel zur Bewerbung aufgefordert – und gewählt. Er wird nun die jährlich rund 150 bis 200 Einsätze der rund 40 nebenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -Seelsorger in Stuttgart koordinieren und leiten sowie Begleitung und Fortbildung anbieten. In Stuttgart-Kaltental übernimmt er einen Predigtauftrag an der Thomaskirche und an der Dachswaldkirche sowie einen Seelsorgebezirk im Dachswald.

Markus Schwab-Godel ist verheiratet mit Pfarrerin Dorothee Godel, die auch von Stuttgart-Kaltental aus weiter als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Homiletik (Predigtlehre) an der Universität Tübingen tätig sein wird.

Die Pfarrstelle Ergenzingen wird wieder zur Besetzung ausgeschrieben. Bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin im Amt ist, übernimmt Pfarrer Dr. Martin Weeber aus Eckenweiler die Vertretung.

Peter Steinle


Verabscheidung von Pfarrer Heinrich Braunschweiger

von Achim Stricker, Schwäbisches Tagblatt

Elf Jahre war er geschäftsführender Pfarrer der Eberhardsgemeinde in der Tübinger Südstadt. Am Sonntag verabschiedete sich Heinrich Braunschweiger mit einem festlichen Gottesdienst und Empfang im Gemeindesaal.
Das erste und das letzte Wort am Sonntag gehörte der Musik. Der Festgottesdienst begann mit Bachs früher Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ und endete nach der Motette „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ seines Onkels Johann Christoph Bach in Stille. Die Eberhardskantorei unter Juliane Mechler griff damit zwei Kernsätze auf, die Braunschweiger ins Zentrum seiner Predigten gestellt hat. Und in ihrem Musizieren klang sein theologischer Impetus nach: beharrlich und unablässig im Dienst des Worts.
Seinen Werdegang beschrieb Braunschweiger am Sonntag als „kurvenreich“: 1944 in Mühlheim an der Donau geboren, wurde er katholisch getauft und erzogen. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann arbeitete er zunächst als Pharmaberater. Dann beschloss er, in Tübingen Evangelische Theologie zu studieren und trat am Ende des Studiums in die Evangelische Kirche ein. Auf zwei Jahre Vikariat in Bad Cannstatt folgten Pfarrstellen in Lichtenstein und von 1980 bis 1992 an der Reutlinger Kreuzkirche. Anschließend war Braunschweiger Pfarrer in Lustnau-Bebenhausen, bevor er 1997 an die Eberhardskirche wechselte.
In seiner Predigt verwies Braunschweiger auf den niederländischen Theologen Kornelius Heiko Miskotte, dessen „Wagnis der Predigt“ er übersetzt hat: „Ohne ihn wäre ich nicht der Prediger geworden, der ich bin“ – ein buchstäblicher Schriftgelehrter, für den das Bibelwort erste und letzte Instanz ist. Immer wieder hat Braunschweiger Kritik an einer „Wellness-Religion“ geäußert und sich zu einer „Schwarzbrot-Spiritualität“ bekannt. Seine Predigten zogen immer auch Gottesdienstbesucher aus Nachbarorten an.
Auf Einladung des Kirchengemeinderatsvorsitzenden Harald Kretschmer würdigte eine Reihe Festredner Braunschweigers Verdienste beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal. Dekan Thomas Steiger von der katholischen Nachbargemeinde St. Michael bezeichnete den wortgenauen Prediger und seine „Sprache, die herausforderte“ als „Glücksfall für die Frommen in der Südstadt“. Braunschweigers Abneigung „gegen jeden Synkretismus“ hob der emeritierte Alttestamentler Jörg Jeremias hervor. Als „streitbaren“ und „stets wachen“ Gesprächspartner in theologischen Diskussionen schätzt ihn Dekanin Marie-Luise Kling-de Lazzer und Martin Weeber, Pfarrer in Rottenburg-Eckenweiler, pointierte: „Braunschweiger ist ein Pfarrer, wie er sein soll, wie ihn sich die Reformation vorgestellt und gewünscht hat: ein selbständiger und urteilsfähiger Theologe – weder Zirkusclown noch Gemeindemanager.“
„Ein Predigttext muss erlitten sein“, erinnerte sich Kantorin Mechler an einen Grundsatz Braunschweigers. Schon Wochen vor dem jeweiligen Sonntag habe er sich an seine Predigt gemacht, um „ganz in die Tiefen des Worts hinabzusteigen.“
Ende 2008 ist Braunschweiger mit seiner Frau nach Reutlingen umgezogen, um im Ruhestand in der Nähe seiner Enkelkinder zu sein.

Achim Stricker, Schwäbisches Tagblatt

Verabschiedung von Pfarrer Karlfriedrich Schaller

von Fabian Ziehe, Schwäbisches Tagblatt

Enfant terrible und Erfolgsgarant: Tübingens Pfarrer Karlfriedrich Schaller geht in den Ruhestand. Die Jakobusgemeinde bereitete ihm einen rauschenden Abschied.
Tübingen. „Wehe, es fühlt sich jemand wohl!“ Die Ironie konnte sich Pfarrer Karlfriedrich Schaller auch beim Abschied nicht verkneifen. Eine „Wohlfühlkirche“ hätte der Theologe aus der Jakobuskirche gemacht, so seine Kritiker. Hat er wohl auch – im besten Wortsinn: Zu seiner Verabschiedung in der Ruhestand füllte die Gemeinde am Samstag die Hermann-Hepper-Halle und sorgte für eine wohlige Atmosphäre.
Mit Schaller verabschiedet die evangelischen Gesamtkirchengemeinde einen Pfarrer mit unbequemen Fragen und unkonventionellen Konzepten. Etwa bevorzugte er eine formenreichere Liturgie und betonte seinen Anspruch, Pfarrer, nicht Gemeindeverwalter zu sein. „Ich stieß in der Kirche auf manchen Widerstand“, erinnerte er sich. So gab es manchen Konflikt mit der Dekanin Marie-Luise Kling-de-Lazzer. „Dennoch haben wir versucht, im Gespräch zu bleiben“, sagte sie versöhnlich zum Abschied und pries Schallers „Strahlkraft weit über Tübingen hinaus“.
Tübingens OB Boris Palmer fürchtete den Redner Schaller: „Da wird man nervös.“ Er lobte das Wirken des Pfarrers auch in der Kultur und Kunstlandschaft. Pfarrer Alois Krist von der katholischen Kirche St. Johannes pries Schallers Beharrlichkeit: „Sie sind ein Paradiesvogel geblieben, keiner aus dem Sortiment.“
Schallers letzter Arbeitstag ist am 22. Februar. Das Ehepaar Elke und Conrad Maihöfer übernimmt im September gemeinsam die Pfarrstelle. Es feierte mit am Samstag und genoss Menü, Kabarett und Musik.

Fabian Ziehe, Schwäbisches Tagblatt

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 02.02.2009.


Weitersagen:


Mehr aktuelle Nachrichten

zur Internetseite der Familienbildungsstätte Programm der Tübinger Motette Link zur Info-Seite Kircheneintritt