Suchtberatung im Landkreis Tübingen wird neu geordnet

Günter Klinger, Diakonieverband Reutlingen

Die Suchtberatung im Landkreis Tübingen kann neu geordnet werden: Nach einem Beschluss der 126-köpfigen Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen vom Montag, 23. März überträgt der Kirchenbezirk die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks Tübingen zum 1. Januar 2010 an den Diakonieverband Reutlingen.

Bereits im Sommer 2009 soll die auf Alkoholkranke spezialisierte evangelische Suchtberatung gemeinsam mit der Drogenhilfe des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (BWLV) in neue Räume umziehen in das Gebäude Im Kupferhammer 5 in der Tübinger Weststadt.

Die Kooperation ihrer Suchtberatung mit dem BWLV hatte die Tübinger Bezirkssynode bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Der Bezirkssynodale Siegfried Hoch als Verhandlungsführer des Kirchenbezirks begründete diesen Schritt mit einem besseren Beratungsangebot für die Klienten, die auch mit unterschiedlichen oder gar multiplen Suchterkrankungen künftig eine einzige umfassend kompetente Beratungsstelle aufsuchen könnten. BWLV-Geschäftsführer Thomas Bader wies darauf hin, dass so auch in Tübingen gemischte ambulante Rehagruppen für Drogen- und Alkoholkranke angeboten werden könnten. Die Sozialdezernentin des Landkreises Tübingen, Ulrike Dimmler-Trumpp, zeigte sich in ihrer Stellungnahme „sehr erfreut“ über die geplante Kooperation und versicherte, der Landkreis werde seine Zuschüsse nicht zurückfahren. Für die zwei Personalstellen in der psychosozialen Beratungsstelle und der ambulanten Behandlungsstelle des Diakonischen Werks Tübingen gewährt der Landkreis einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Personal- und Sachkosten. Die neue gemeinsame Beratungsstelle wird mit insgesamt 7,1 Personalstellen für Beratungsfachkräfte und einer Dreiviertel-Verwaltungsstelle ausgestattet sein.

Neu ist die Übertragung der evangelischen Suchtberatung an den Diakonieverband Reutlingen, der die Kooperation mit dem BWLV ab 2010 fortführen wird. Siegfried Hoch begründete diesen Schritt unter anderem mit einer neuen Verwaltungsvorschrift, nach der jede Suchtberatungsstelle mindestens drei Fachkraftstellen haben müsse; diese Vorgabe könne das Diakonische Werk Tübingen nicht erfüllen. Aus der finanziellen Verantwortung zieht sich der Evangelische Kirchenbezirk mit der Übertragung der Trägerschaft an den Diakonieverband Reutlingen gleichwohl nicht zurück: Der Diakonieverband, zu dem die Kirchenbezirke Reutlingen, Bad Urach, Münsingen und Tübingen gehören, erhält vom Kirchenbezirk Tübingen künftig einen Beitrag von 0,8 Prozent der Kirchensteuerzuweisung an die 46 Bezirkskirchengemeinden; im Jahr 2010 werden dies rund 60.000 Euro sein.

Eine Verbesserung der Personalstandards in den evangelischen Kindergärten möchte der Ausschuss für Kindertagesstätten im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen erreichen, berichtete Schuldekan Hans-Joachim Heese vor der Bezirkssynode. Die Anforderungen an Fachkräfte in Kindertagesstätten seien unter anderem durch die Aufnahme von unter Dreijährigen enorm gestiegen. Der Kirchenbezirksausschuss habe deshalb einem Empfehlungspapier zugestimmt, das – jeweils nach Abstimmung mit der bürgerlichen Gemeinde – gegenüber den Standards aus dem Jahr 2001 verbesserte Personalschlüssel vorsehe: Berufspraktikantinnen dürften demnach nicht mehr voll, sondern nur noch zu maximal 70 Prozent gerechnet werden, die fehlenden Anteile müssten durch eine Fachkraft ergänzt werden. In Kinderkrippen mit unter Dreijährigen sei neben den zwei vorgeschriebenen Fachkräften eine weitere Kraft im freiwilligen sozialen Jahr anzustreben; bei altersgemischten Gruppen von zwei bis sechs Jahren sei dies immerhin noch „wünschenswert“. In zweigruppigen Einrichtungen sei eine Freistellung der Leiterin im Unfang von 20 Prozent, bei dreigruppigen sogar von 40 Prozent „wünschenswert“, auch hier seien die fehlenden Anteile durch eine Fachkraft zu ergänzen. „Ich bin mir sicher, dass wir mit unserer Kindertagesstättenarbeit an der richtigen Stelle investieren“, sagte Schuldekan Heese, „auch wenn wir die Früchte nicht unmittelbar ernten können.“

Das neue Projekt im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen „Diakonisch wahrnehmen und handeln – einladendes, gelebtes Evangelium“ sei gut gestartet, berichtete die Leitende Gemeindediakonin Renate Haug vor der Synode. Während der fünfjährigen Projektdauer vom Herbst 2008 bis zum Sommer 2013 würden zusätzlich je eine halbe Diakonenstelle von der Landeskirche und vom Kirchenbezirk finanziert; die Stellenanteile seien auf vier Diakoninnen und Diakone in den vier Distrikten des Kirchenbezirks aufgeteilt worden: So habe Diakonin Gudrun Keller-Fahlbusch in Rottenburg Mitverantwortung für die Rottenburger Vesperkirche übernommen, zudem biete sie künftig monatlich eine sozialdiakonische Sprechstunde an im „Café Vesperkirche“. In Dußlingen werde Diakon Fritz Steinhilber ein Seniorencafé installieren und den Besuchsdienst ausbauen. In Tübingen führe Diakon Peter Heilemann derzeit noch eine Sozialraumanalyse durch, ebenso Diakon Joachim Pfeifer im Distrikt Unteres Neckartal.

>>> Suchtberatung des Diakonischen Werks Tübingen
>>> Diakonieverband Reutlingen
>>> Baden-württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV)

Die künftigen Partner in der Suchtberatung Günter Klinger vom Diakonieverband Reutlingen und Thomas Bader vom BWLV zusammen mit Sozialdezernentin Ulrike Dimmler-Trumpp und dem Verhandlungsführer des Evangelischen Kirchenbezirks, Siegfried Hoch (von links, Quelle: Steinle)


Die künftigen Partner in der Suchtberatung Günter Klinger vom Diakonieverband Reutlingen und Thomas Bader vom BWLV zusammen mit Sozialdezernentin Ulrike Dimmler-Trumpp und dem Verhandlungsführer des Evangelischen Kirchenbezirks, Siegfried Hoch (von links, Quelle: Steinle)

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 24.03.2009.


  
 Programm der Tübinger Motette zur Internetseite der Webmailberatung  Link zur Info-Seite Kircheneintritt zur Internetseite der Familienbildungsstätte