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Kinderchor TÜ-Innenstadt fährt zum Landeskinderchortag
Der Große Saal der Hochschule für Kirchenmusik summt wie ein Bienenstock. Fast dreißig Kinder haben sich dort zur Chorprobe eingefunden. Sie gehören zum Evangelischen Kinderchor Innenstadt und warten auf ihren Leiter Ingo Bredenbach, mit dem sie für den Landeskinderchortag proben wollen: dazu werden am 27. Juni in Göppingen knapp 1.000 Kinder aus Württemberg erwartet.
von Franziska Gruner
Wie immer beginnt die Gruppe ihre Chorstunde mit Einsing- und Aufwärmübungen. Damit die Kinder, die teilweise direkt von der Schule gekommen sind, noch einmal fit werden, wird einmal herzhaft in der Gruppe gegähnt und sich gestreckt. Dabei waren
alle spätestens dann wach, als sich die Nachricht herumgesprochen hatte, dass ein Chorjunge wirklich und wahrhaftig vor der Probe beim Spielen im Garten eine Ameise verspeist hatte.
Nach dem Einsingen geht es dann frisch motiviert los: das Singspiel "Martin Luther", das Ingo Bredenbach geschrieben hat, wird geübt. Es soll am 18. Juli in der Tübinger Stiftskirche aufgeführt werden und handelt von den Lebensstationen des Reformators.
Doch im Vordergrund der Probe stehen einige Stücke für das Musical "Simon Petrus Menschenfischer" das in Göppingen beim Landeskinderchortag uraufgeführt wird. Es wird von einigen Chören komplett einstudiert; bei manchen Liedern werden aber auch andere Kinderchöre, wie auch der von Ingo Bredenbach, mitsingen.
In den drei Gottesdiensten am Landeskinderchortag wird der Tübinger Innenstadt-Kinderchor Die "Ballade vom Fischerzug", von Thomas Riegler singen. Dieses Lied hat es den Kindern ganz besonders angetan: der Rhythmus und das rasche Tempo reißen sie mit und lassen sie inbrünstig und mit viel Herzblut singen. Wer dem Chor zuhört, merkt, dass die Kinder Freude am Singen haben und ihren Chorleiter und die ungezwungene Atmosphäre schätzen. Eine ganze Stunde lang sind die Jungen und Mädchen konzentriert bei der Sache, lassen sich aber auch gern auf die Späße des gebürtigen Wuppertalers ein.
Der Chor besteht aus drei Gruppen, zwei davon aus insgesamt 70 Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Die dritte Gruppe bildet der Jugendchor mit 45 Jugendlichen bis zur 12. Klasse. Der Kinderchor wurde 2001 von Ingo Bredenbach in Zusammenarbeit mit den Innenstadtgemeinden gegründet und tritt seither in Gottesdiensten und bei Gemeindefesten auf, damit er "kein Inseldasein an der Hochschule führt", erklärt Bredenbach, der seit Anfang 2010 Kantor der Stiftskirche in Tübingen ist.
Das Programm des Chors ist vielseitig: Von Musicals bis zu geistlichen Werken von Schütz oder Bach ist alles geboten. "Die Kinder singen das tatsächlich mit Begeisterung, das ist kein Drill", sagt Bredenbach begeistert. "Und auf dieser Schiene bringen die Kinder eine Leistung, die mich immer wieder fasziniert".
Kirchentagslieder mögen die Kinder besonders, außerdem studiert ihr Chorleiter auch Gospels mit ihnen ein. Manchmal bringen die Kinder auch spezielle Wünsche mit. "Wenn sie sich die Wise Guys wünschen, singe ich auch mal Wise Guys, damit habe ich kein Problem."
Angesichts der Tatsache, dass in Familien immer weniger gesungen werde, sei es eine wichtige Aufgabe, Kinder in den Kirchengemeinden an das Singen heranzuführen. Den Landeskinderchortag hält Ingo Bredenbach für einen wichtigen Ausdruck dessen, wie stark diese Kinderchorarbeit mittlerweile gewachsen ist. Die Kinder bestätigen dies mit ihrer aufrichtigen Vorfreude auf das Ereignis und den Willen, gut zu singen. "Sie haben den Ehrgeiz, es gut zu machen und lassen sich an ihrer Ehre packen. Sie haben schon einige Erfolgserlebnisse hinter sich und viel ´Szenenapplaus´ bekommen", sagt Bredenbach.
Die Kinder freuen sich aber auch auf das "Wegfahren dürfen" und auf das gemeinsame Singen mit Kindern, die sie noch nie gesehen haben. Ein Highlight wird ihr Auftritt im Gottesdienst sein: "Die Ballade vom Fischerzug mögen wir am liebsten, darauf freuen wir uns". Unter dem Auftritt des "Collegium Iuvenum Stuttgart" können sie sich noch nicht allzu viel vorstellen. Ingo Bredenbach dagegen glaubt, dass der Knabenchor die Kinder motivieren und "ihnen zeigen könnte, wohin das Singen führen kann". "Auch wenn ich meine Chorkinder natürlich nicht mit dem Collegium Iuvenum vergleichen möchte", sagt Bredenbach mit einem verschmitzten Lächeln.
Von Schüchternheit oder gar Unbehagen ist bei den Kindern nichts zu spüren, selbstbewusst schauen sie dem großen Tag entgegen. Und auch Ingo Bredenbach hat keinerlei Bedenken: "Die wissen um ihr Können - und die können richtig!"
Franziska Gruner
Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 24.06.2010.
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