26 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus

26 „Stolpersteine“ zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus hat der Künstler Gunter Demnig auf Initiative der evangelischen Eberhardsgemeinde, der katholischen Gemeinde St. Michael und der Stadtteilinitiative Lorettina am Freitag, 25. November in der Tübinger Südstadt verlegt.

Die Messingwürfel mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern tragen die Lebens- und Sterbedaten von 23 Tübinger Jüdinnen und Juden sowie drei zur evangelischen Kirche Konvertierten. Sie wurden vor deren letztem Wohnort in den Bürgersteig eingelassen.

In seiner Ansprache erinnerte Eberhardskirchen-Pfarrer Harry Waßmann an einzelne Bewohner: So habe sich die jüdische Gemeinde Tübingens nach der Zerstörung ihrer Synagoge in der Gartenstraße wohl auch im Hause von Max Löwenstein in der Hechinger Straße 9 versammelt. Dort habe auch das jüngste Opfer gewohnt: Ruth Marx sei als achtjähriges Kind deportiert und wenig später erschossen worden. Tübinger Bürger, die die Stolpersteine durch eine Patenschaft mit finanziert hatten, legten nach der Verlegung Rosen nieder und verlasen die Lebensdaten der ehemaligen Mitbürger.

Seit 1995 hat der Kölner Künstler Gunter Demnik über 30.000 Stolpersteine in mehr als 750 Orten in zehn Ländern Europas verlegt. Sein Erinnerungs- und Kunstprojekt gilt als weltgrößtes dezentrales Mahnmal. Die Kosten für die 26 Stolpersteine in der Tübinger Südstadt in Höhe von rund 3.500 Euro finanzierten die Initiatoren über Spenden und Stolperstein-Patenschaften.


Stolpersteine wurden mit folgenden Namen an diesen Orten verlegt:
Hechinger Straße 9: Max Löwenstein - Sophie Löwenstein - Siegfried Löwenstein - Elfriede Löwenstein - Walter Löwenstein - Ilse Löwenstein - Marga Marx - Victor Marx - Ruth Marx
Christophstraße 15: Emil Löwenstein - Karoline Löwenstein
Christophstraße 1: Dr. Ludwig Spiro - Elfriede Spiro - Edwin Spiro - Hans Spiro - Liselotte Spiro
Fürststraße 7: Martin Erlanger - Fanny Erlanger - Dr. Helmut Erlanger - Walter Erlanger
Fürststraße 17: Kurt Tichauer
Breuningstraße 30: Josef Zivi - Eugenie Zivi - Else Zivi - Ruth Zivi
Schönbergstraße 1: Walter Löwenstein

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 25.11.2011.