Bezirkssynode zu Gefängnisseelsorge, Diakonie und Finanzen

JVA Rottenburg - Foto: mellis doppelleben
Die evangelische Kirche sei nicht in einer Finanzkrise, berichtete Matthias Röckle als Leiter der Tübinger Kirchlichen Verwaltungsstelle und Bezirksrechner im evangelischen Kirchenbezirk. Für 2014 fließe ein um drei Prozent erhöhter Verteilbetrag an Kirchensteuereinnahmen an die Kirchengemeinden des Bezirks Tübingen, erklärte er den 126 Delegierten der Bezirkssynode am Montag, 15. Juli im Stephanusgemeindezentrum.

Der höhere Verteilbetrag werde gebraucht, um Personalkostensteigerungen aufzufangen. Aus demselben Grund beschlossen die Delegierten auch eine Erhöhung der Bezirksumlage um 75 Cent auf 26,25 Euro pro Gemeindeglied.

Eine einmalige Sonderzuweisung in Höhe von insgesamt 412.000 Euro für das Jahr 2014 werde der Kirchenbezirk komplett an die Gemeinden weitergeben, versprach Röckle. Damit sollten jedoch keine Haushaltslöcher gestopft, sondern einmalige Projekte finanziert werden, mahnte er. Für die Jahre 2015 bis 2017 rechne er mit Erhöhungen der Kirchensteuerzuweisung um jährlich ein Prozent.

Über die Gefangenen-Seelsorge in der Untersuchungshaft in Tübingen und in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg berichteten Diakon Peter Heilemann (Tübingen) und Pfarrer Thomas Wagner (Rottenburg): „Wenn man eingesperrt ist, dann muss sich anderes öffnen: das Herz, der Mund“, berichtete Diakon Heilemann: Häufig kämen mehr als die Hälfte der Untersuchungshäftlinge zu seinen Gottesdiensten. Auch Pfarrer Wagner beobachtet, dass seine Gottesdienste von Menschen geschätzt werden, die draußen vielleicht nie in die Kirche gehen würden. Die Vollzugsbeamten vor Ort versuchten relativ wohlwollend, die Not der Gefangenen wahrzunehmen, sagte Wagner. Dass diese trotzdem ihrer Würde beraubt würden, habe vor allem strukturelle Gründe. So dürften die Tübinger Untersuchungshäftlinge nach Angaben von Diakon Heilemann beispielsweise selbst bei 35 Grad Außentemperatur nur zweimal wöchentlich duschen, weil die Sanitärräume keine größere Kapazität hätten. Die Seelsorger würden von den Gefangenen wegen ihrer Schweigepflicht sehr dankbar als Gesprächspartner angenommen, berichteten beide. Der Glaube, hat Pfarrer Wagner erfahren, könne auch und gerade im Gefängnis als Bestärkung und Befähigung zum guten Leben erfahren werden. Die Kirchengemeinden werden in diesem Herbst jeweils eine Gottesdienst-Kollekte zugunsten der Gefangenenseelsorge einsammeln. Auf Antrag des Tübinger Pfarrers Harry Waßmann wird die Bezirkssynode in ihrer Herbstsitzung zudem darüber beraten, wie die bisher rein spendenfinanzierte Seelsorge in der Tübinger Untersuchungshaft auch langfristig finanziell gesichert werden kann.

Einen Abschlussbericht zum landeskirchlichen Projekt „Diakonisch wahrnehmen und handeln – einladendes Evangelium“ gaben fünf Diakoninnen und Diakone: Eine von der Landeskirche finanzierte und auf fünf Jahre befristete Projektstelle habe man im Bezirk Tübingen auf die vier Distrikte verteilt und damit neue Projekte angestoßen: Diakon Joachim Pfeifer richtete in Pliezhausen ein monatliches Begegnungscafé ein, Diakon Fritz Steinhilber lädt in Dußlingen zu einem monatlichen Mittagstisch ein, Diakonin Gudrun Keller-Fahlbusch organisiert in Rottenburg die Vesperkirche und das monatliche Café Vesperkirche mit und Diakon Peter Heilemann gründete die Tübinger Vesperkirche mit. Die begonnenen Projekte werden jetzt auch nach dem Auslaufen des landeskirchlichen Projekts weitergeführt.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 16.07.2013.


  
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