Heiligabendpredigt von Dekanin Elisabeth Hege

Dekanin Elisabeth Hege (Foto: Martin Keidel)Das in der Weihnachtsgeschichte vermittelte Geheimnis des Glaubens unterscheide sich wesentlich von den Geheimissen der Geheimdienste, sagte die evangelische Dekanin Elisabeth Hege in ihrer Heiligabendpredigt in der Stiftskirche: „Geheimnisse heutigen Schlages haben zu tun mit Wissen und Macht. Und sind eines jedenfalls nicht mehr: Bergend oder gar tröstlich.“

„Geheimabsprachen und Geheimprotokolle sind für eine mündige Öffentlichkeit mindestens zwiespältig“, sagte Dekanin Hege: „Und von Geheimdiensten war wohl kaum je so viel die Rede wie in diesem Jahr: Auf der einen Seite wurde weitgehendes Versagen öffentlich, wo es gegolten hätte, Menschenleben gegen rechten Terror zu schützen. Und auf der anderen Seite – von jenseits des Atlantik - kamen immer neue Enthüllungen über eine ungeahnte Datensammelwut jenseits aller Grenzen und Gesetze.“ Die Dekanin fragte: „Was bleibt da von unsereinem eigentlich noch privat und geheim? Gibt´s nicht noch eine andere Art von Geheimnis – jenseits der vermessenen und ausgeleuchteten Welt?“

Das Geheimnis des Glaubens sei anders, sagte Dekanin Hege: „Gott kommt in unser Menschenleben. Aber nicht dorthin, wo alles hell und heil und perfekt ist. Sondern in Stall und Krippe, in das Dunkel der Welt. Weil er unser Leben heil und diese Welt hell machen will.“ Gottes Geheimnis müsse nicht versteckt bleiben, um seine Macht zu entfalten. „Gottes Geheimnis wird offenbar, es begegnet uns. Vielmehr: Er begegnet uns in Person. Im Kind in der Krippe zeigt Er seine Herrlichkeit, bringt Er selbst den Himmel zur Erde – und schließt uns das Leben und die Liebe des himmlischen Vaters auf.“

Viele Menschen ließen sich am Heiligen Abend faszinieren von den Krippenspielen und Christmetten: Im Kirchenbezirk Tübingen besuchten rund 35.000 Menschen einen evangelischen Gottesdienst. Als Besuchermagnet erwies sich einmal mehr die Tübinger Stiftskirche: Obwohl im Gemeindegebiet nur 3.200 evangelische Gemeindeglieder wohnen, feierten rund 4.600 Menschen die insgesamt vier Heiligabend-Gottesdienste mit. Auch der bestbesuchte Gottesdienst fand in der Stiftskirche statt: Mehr als 2.000 Menschen kamen um 17 Uhr zur Christvesper. Die Kollekte aus allen Gottesdiensten an allen Orten ging wie jedes Jahr an die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 24.12.2013.