Bezirkssynode: Kirchengemeinden unterstützen Flüchtlingsarbeit


Die Werke und Einrichtungen des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen präsentierten sich bei einem Tag der offenen Tür am Montag, 17. November im Haus der Kirche („Villa Metz“) mit Infoständen und Videos. Bei der anschließenden Sitzung der Bezirkssynode berieten die 124 Delegierten aus allen Kirchengemeinden über Flüchtlinge und Asylbewerber, über den vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufenen „Weg der Gerechtigkeit und des Friedens“ und schließlich über den Kirchenbezirkshaushalt 2015.

„Sehr viel mehr Flüchtlinge als in den vergangenen Jahren kommen zurzeit hierher“, berichtete Dekanin Elisabeth Hege: „Sie fliehen aus ihren Heimatländern, derzeit beispielsweise aus Syrien und dem Irak vor Kriegen, sie fliehen vor Verfolgung und unerträglichen Lebensbedingungen.“ Im Landkreis Tübingen seien gegenwärtig monatlich 60 bis 70 Flüchtlinge aufzunehmen. Deren Unterbringung konzentriere sich nicht mehr nur auf die Städte Tübingen, Mössingen und Rottenburg, sondern geschehe dezentral in den meisten Gemeinden des Landkreises. Hier könnten sich die Kirchengemeinden in der Begleitung von Flüchtlingen engagieren, sagte die Dekanin. Beratung und Unterstützung bieten könnten das Tübinger Asylzentrum, die beiden Bezirks-Asylpfarrer Frithjof Rittberger und Regina Fetzer sowie die Reutlinger Asylpfarrerin Katrin Sältzer. Die Sozialdezernentin des Landkreises Tübingen, Ulrike Dimmler-Trumpp, berichtete: Der Aufruf von Landrat Joachim Walter zur Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften – unter anderem auch bei der Sommersitzung der Bezirkssynode – sei so wirkungsvoll gewesen, dass der Landkreis bei den Erstunterkünften „wirklich gut“ dastehe: „Wir bringen alle Flüchtlinge unter!“ Dimmler-Trumpp appellierte gleichzeitig an die Bezirkssynodalen: „Was wir brauchen, sind Anschlussunterkünfte nach dem ersten halben Jahr.“

Einen weltweiten „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ hat die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen vor einem Jahr im koreanischen Busan ausgerufen. Der Tübinger Landessynodale Dr. Harald Kretschmer und Dr. Beate Jacob vom Deutschen Institut für ärztliche Mission (DifäM) berichteten als Delegationsteilnehmer: Ein gerechter Frieden unter den Völkern sei nötig, um menschliches Leben zu schützen. Dies erfordere von allen Christen ein radikales Bekenntnis zum Frieden, so Dr. Kretschmer. Ein gerechter Friede auf den Märkten sei nötig, damit alle Menschen in Würde leben könnten. Und schließlich brauche es einen gerechten Frieden mit der Schöpfung, damit Leben erhalten werde. Dr. Kretschmer bilanzierte: „Die internationalen kirchlichen Bünde sind – trotz ihrer Vielfalt – in ihrer prophetischen Deutlichkeit den regionalen Kirchen oft Jahre oder Jahrzehnte voraus.“

Die von der stellvertretenden Kirchenbezirksrechnerin Martina Mader-Sorg vorgelegte Jahresrechnung 2013 wurde von der Bezirkssynode einstimmig festgestellt: Der Bezirk musste den Rücklagen rund 154.000 Euro weniger entnehmen als geplant – Grund dafür waren unter anderem vorübergehend unbesetzte Personalstellen. Der Haushaltsplan 2015 für den Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen mit einem Gesamtvolumen von 7.946.710 Euro wurde von der Synode beschlossen. Den größten Teil davon gibt der Kirchenbezirk für die Arbeitsfelder Diakonie (31 Prozent), Jugendarbeit (28 Prozent), Seelsorge und Psychologische Beratung (24 Prozent), Bildung (15 Prozent) und Kirchenmusik (zwei Prozent) aus. Kirchenbezirksrechner Matthias Röckle wies auf zwei markante Haushaltsposten hin: Um die vielfältigen Angebote der Jugendarbeit ohne Abstriche erhalten zu können, muss der Kirchenbezirk fast 66.000 Euro mehr ausgeben: Neben einer Tariferhöhung um 5,4 Prozent muss auch eine deutlich geringe landeskirchliche Zuweisung für den Arbeitsbereich „Jugendarbeit und Schule“ kompensiert werden, zudem stehen die Verhandlungen mit dem CVJM Tübingen über die weitere Nutzung der Büros im CVJM-Haus in der Gartenstraße noch aus. Rücklagenentnahmen sind nach Auskunft von Röckle für die Psychologische Beratungsstelle und für die Telefonseelsorge nötig, wobei der Bezirksrechner für Letztere eine bessere Finanzierung anmahnte: Während der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen jährlich rund 19.000 Euro für die Telefonseelsorge zur Verfügung stelle, kämen aus den ebenfalls zum Einzugsgebiet gehörenden Bezirken Reutlingen, Bad Urach-Münsingen, Balingen, Sulz, Tuttlingen und Herrenberg insgesamt nur 5.100 Euro: „Hier gilt es zu werben, dass die Finanzierungsanteile erhöht werden“, forderte Röckle.

Die Kirchensteuereinnahmen der Landeskirche hätten sich bis Oktober 2014 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um drei Prozent erhöht, berichtete Röckle. Für das Jahr 2014 rechne die Landeskirche nun mit Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 640 Millionen Euro anstatt der veranschlagten 569 Millionen Euro. Zwar würden auch für die kommenden Jahre nominal steigende Einnahmen erwartet, doch müsse man sich aufgrund von Tariferhöhungen, Preissteigerungen und Kaufkraftverlusten darauf einstellen, dass die real zur Verfügung stehenden Mittel zurückgingen und Strukturveränderungen nötig würden, mahnte Röckle. Langfristig bliebe die demographische Entwicklung die größte Herausforderung für die kirchliche Finanzplanung. Für 2015 erhöhe sich der Kirchensteuerzuweisungsbetrag für die Kirchengemeinden um drei Prozent, zusätzlich erhielten der Bezirk Tübingen und seine Kirchengemeinden eine einmalige Sonderzuweisung in Höhe von 830.000 Euro, die unter anderem für die Substanzerhaltung der Gebäude und die um 5,4 Prozent gestiegenen Personalkosten benötigt würden. Erleichtert bilanzierte er: „Wir sind schuldenfrei!“ Der Haushaltsplan für 2015 wurde einstimmig beschlossen.


Der Hingucker beim Tag der offenen Tür war eine selbstgebackene Torte von Verwaltungsstellen-Mitarbeiterin Claudia Rapp, die die Tortengrafik zum Haushalt in ein süßes Naschwerk verwandelt hatte.

Geschrieben von Pressepfarrer Peter Steinle am 18.11.2014.