"Wunderschönes GAW-Fest mit warmherzigen Gastgebern"

Insgesamt mehr als 1.000 Besucher aus der Region, aus Deutschland, Europa und Übersee haben das Gustav-Adolf-Fest am 4. und 5. Juni in Rottenburg und im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen besucht. Das Gustav-Adolf-Werk (GAW) ist das Diasporawerk der evangelischen Kirche; es unterstützt evangelische Minderheitenkirchen weltweit. Referenten aus Deutschland und Osteuropa sprachen sich gegen neue Grenzen und Zäune auf dem Kontinent aus und warben für eine offene, gastfreundliche Zivilgesellschaft.

GAW-Präsidentin Prälatin Gabriele Wulz zeigte sich bei der Festeröffnung in der Rottenburger Zehntscheuer dankbar für die weltweite ökumenische Verbundenheit mit den Gästen aus Südamerika, Polen, Slowenien und Griechenland. Die polnische Diakonie-Direktorin Wanda Falk aus Warschau sagte: „Mit einem gewissen Schrecken nehmen wir wahr, wie in Europa knapp 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder neue Grenzen hochgezogen werden – manche sind schon geschlossen!“ Christen wollten verbinden und Brücken bauen, sagte Wanda Falk: „Es ist ein Geschenk, dass wir einander begegnen können, dass wir einander helfen und uns voneinander helfen lassen können. Das wollen wir dankbar schützen und bewahren!“ Der Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher sprach sich in seinem Grußwort gegen eine strikte Trennung von Staat und Kirche aus: „Das deutsche Modell hat sich bewährt: Jeder soll seinen Glauben im staatlich gesetzten Rahmen leben können.“ Dazu gehöre auch, Moscheen nicht nur in Gewerbegebieten zuzulassen. Scharf warnte der OB davor, die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu unterschätzen: „Es ist noch nie – auch 1933 nicht – eine Partei angetreten mit der Ankündigung, den Holocaust zu betreiben.“ Eine Protest-Wahl könne unabsehbare Konsequenzen haben. Die Tübinger Dekanin Elisabeth Hege verwies auf frühere Gustav-Adolf-Feste, die in Tübingen in den Jahren 1871, 1892 und 1936 stattgefunden hätten – jeweils in Jahren, in denen der Nationalismus eine bedeutende Rolle gespielt habe. „Heute sind wir dankbar für alle Signale von Weltoffenheit und Gastfreundschaft in unserer Gesellschaft“, betonte Dekanin Hege.

In vier Stadtführungen konnten die Besucher am Samstagvormittag unter anderem „evangelische Spuren im katholischen Rottenburg“ entdecken. Insgesamt elf Foren am Nachmittag beschäftigten sich mit dem Festmotto „Aus Glauben leben - Grenzen überwinden“: Junge GAW-Freiwillige berichteten aus ihren Diensten in Übersee, Fluchterfahrungen von der Balkanroute kamen zur Sprache, die Grenzen zwischen arm und reich in Argentinien oder Brasilien wurden beleuchtet. Der Abend der Begegnung bot neben Kulinarischem und live-Musik auch Informationen über das Gustav-Adolf-Werk sowie über die Gemeinden und Einrichtungen im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen.

In 24 Gottesdiensten im ganzen Kirchenbezirk standen am Sonntag Gastprediger aus Osteuropa oder Südamerika auf den Kanzeln. In einem Festgottesdienst in der Tübinger Stiftskirche sandten Prälatin Wulz und Dekanin Hege 20 junge Freiwillige aus zu einjährigen Auslandspraktika in den Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werks. „Unsere Freiwilligen erfahren in ihren Auslandsaufenthalten, dass Fremde zu Nächsten werden. So wächst der Glaube, das Vertrauen und die Liebe“, sagte die GAW-Präsidentin in ihrer Predigt.

Die Veranstalter zogen nach Abschluss des Festes trotz des überwiegend feuchten Wetters eine sehr positive Bilanz: „Wir hatten ein wunderschönes Festwochenende. Rottenburg und der Kirchenbezirk Tübingen waren großartige Gastgeber, die uns warmherzig aufgenommen haben. Wir sind glücklich und zufrieden“, lobte GAW-Präsidentin Wulz. Dekanin Hege ergänzte: „Wir haben ein leichtes, lebendiges Fest in einer wunderschönen Atmosphäre erlebt. In den Begegnungen mit den Gästen aus unseren Partnerkirchen kamen gesellschaftlich relevante Themen zur Sprache.“