Volle Kirchen am Reformationstag

Rund 800 Gottesdienstbesucher feierten am Dienstag in der Tübinger Stiftskirche den 500. Jahrestag der Reformation mit einem Abendmahlsgottesdienst. Dekanin Elisabeth Hege betonte, die reformatorische Botschaft von der Gnade und Vergebung Gottes könne man sich nicht selber sagen, sondern müsse sie zugesprochen bekommen. Auch die weiteren Festgottesdienste in Tübingen und in den Gemeinden des Kirchenbezirks waren außerordentlich gut besucht.

Ihrer Predigt legte die Dekanin das von Martin Luther gedichtete und komponierte Lied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ zugrunde. Mit diesem Lied – einem der ersten der Reformation – habe Luther 1523 „einen Nummer-eins-Hit gelandet“, so Hege. Das Lied sei nicht nur in Kirchen, sondern von Burschen auf der Walz und in Schusterwerkstätten gesungen worden, wusste die Theologin. Dies zeige: „Die Reformation war auch eine Singbewegung“.

„Manches kann man sich nicht selber sagen, sondern muss es zugesprochen bekommen“, sagte Hege im Blick auf die Gnade und Vergebung Gottes. Die Dekanin machte dies an Luthers Lied deutlich: Die Aussage „Der Tod verschlingt das Leben mein“ sei ein Satz, den sich jeder Mensch selber sagen könne, weil jeder diese Erfahrung mache, so Hege. Die Dekanin wies darauf hin, dass es in Luthers Lied jedoch heiße „Den Tod verschlingt das Leben mein“. So etwas könne man sich nicht selbst sagen, sondern müsse es gesagt und geschenkt bekommen.

Die reformatorische Botschaft von der geschenkten Gnade und Barmherzigkeit Gottes wolle durch die Worte und Hände der Christen weitergetragen werden, sagte Hege im Blick auf die Gegenwart. So komme es zu einem „mündigen Christentum“ und zu einem „Priestertum aller Gläubigen“, so die Dekanin.

Zwischen den einzelnen Teilen der Predigt sangen die Gottesdienstbesucher abschnittsweise das Luther-Lied oder bekamen es von der Kantorei der Stiftskirche zugesungen. Begleitet wurden sie vom Posaunenchor Tübingen unter der Leitung von Kathrin Schlecht und vom Kantor der Stiftskirche Ingo Bredenbach an der Orgel.

Kantorei, Posaunenchor und Orgel sorgten auch darüber hinaus für eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle und festliche musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.

Geschrieben von Andreas Föhl am 02.11.2017.