Soziale Verantwortung gelernt

Beindruckende Anzahl von Jugendlichen aus dem Kirchenbezirk Tübingen haben sich zu Alltagshelden ausbilden lassen

Tübingen/Pliezhausen/Kirchentellinsfurt/Ofterdingen. 66 Schülerinnen und Schüler aus dem Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen haben sich zu Schülermentoren für die Mitgestaltung in der Schule und der kirchlichen Jugendarbeit ausbilden lassen. Zum Abschluss des Schuljahrs konnte Diakon und Religionslehrer Frank Wurster von der Fachstelle Jugendarbeit-Schule-Kirche seinen Schützlingen ihre Zertifikate überreichen.

Neun Schülerinnen und Schüler der Französischen Schule in Tübingen, 7 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule in Pliezhausen, 13 Schülerinnen und Schüler der Graf-Eberhardt-Realschule in Kirchentellinsfurt sowie 37 Schülerinnen und Schüler der Burghof-Gemeinschaftsschule in Ofterdingen konnten die von Kultusministerin Susanne Eisenmann und dem Leiter des Evangelischen Jugendwerkes in Württemberg, Cornelius Kuttler, unterzeichneten Urkunden entgegennehmen. Für diese Auszeichnung haben die Mädchen und Jungs in Kirchentellinsfurt in den letzten beiden Schuljahren 40 Theorie- und ebenso viele Praxisstunden absolviert. Die Jugendlichen in Tübingen, Ofterdingen und Pliezhausen haben an einem einjährigen Programm mit je 15 Theorie- und Praxisstunden teilgenommen und dürfen sich „Junior-Schülermentoren“ nennen.

„Soziale Verantwortung lernen“ heißt das Kooperationsprojekt zwischen dem Kultusministerium und der kirchlichen Jugendarbeit. In einer mehrtägigen Schulung zu Beginn und mehreren Seminartagen hat Frank Wurster mit den Schülerinnen und Schülern ein Persönlichkeitstraining absolviert und ihnen gruppenpädagogische Basics beigebracht. Zwischen den Seminartagen konnten die Mädchen und Jungs praktische Erfahrungen sammeln bei Pausenaktionen, Schulfesten, Hausi-Betreuung, Mitgestaltung der Betreuungszeiten in Seniorenheimen, als Helfer beim Sponsorenlauf an ihrer Schule, bei der Orangenaktion des Evangelischen Jugendwerks oder beim Tübinger Schoko-Markt „Chocolart“. Bei der Bäckerei Gehr haben die Jugendlichen unter fachkundiger Anleitung von Schuldekan, Joachim Heese, die selbst gebackene Lebkuchen hergestellt und Tage danach zugunsten der Schulseelsorge verkauft. Die Ausbildung „ist absolut klasse und cool“, kann man in einem Statement eines Schülers lesen. „Ich habe hier einiges gelernt, was nicht zum Bildungsplan der Schule gehört. Für den Umgang mit anderen Menschen und mein späteres Leben hilft es unheimlich.“, schreibt eine Schülerin der Gemeinschaftsschule.

Auch in anderer Hinsicht habe sich die Ausbildung gelohnt, weiß Frank Wurster: Das Zertifikat helfe bei der Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Mit deren Einverständnis hat der Diakon Namen und Adressen der zertifizierten Schülermentoren den Pfarrern und Jugendarbeitern in ihren Heimatorten weitergegeben. Schließlich soll das Zertifikat nicht Schluss- sondern Doppelpunkt sein.

Die in Württemberg einmalige Fachstelle Jugendarbeit-Schule-Kirche wurde vor sechs Jahren vom Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen ins Leben gerufen und stellt ein Bindeglied für die Jugendlichen zwischen Schule und kirchlicher Jugendarbeit dar. Verschiedene Angebote und Projekte (z.B. Mentorenausbildung, Prüfungs-Vorbereitungstage, Multiplikatoren-Schulungen etc.) gehören zum jährlichen Ablauf. (Frank Wurster)