Dorfpfarrerin mit Leidenschaft für die Menschen

Pfarrerin Gudrun Bertsch wird am kommenden Sonntag, 7. Oktober, in einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Hagelloch verabschiedet. Die Seelsorgerin verlässt nach über 14 Jahren die evangelische Kirchengemeinde und wird Co-Schuldekanin für die Kirchenbezirke Reutlingen und Bad Urach-Münsingen.

„Ich war unheimlich gerne und mit Leidenschaft Dorfpfarrerin“, sagt Gudrun Bertsch im Rückblick. Die 53-Jährige faszinierten besonders die vielen unterschiedlichen Menschen, denen sie in dem kleinen Dorf nahe der großen Universitätsstadt begegnete: Die alteingesessenen, handwerklich und bäuerlich geprägten Gemeindeglieder und die Zugezogenen, oft Akademiker, bildeten eine interessante Mischung, so die Seelsorgerin, und eine gute Dorfgemeinschaft. Die habe sich etwa gezeigt, als die Hagellocher Kirche ihren 100. Geburtstag feierte, erinnert sich die Pfarrerin. Alle Vereine hätten mitangepackt beim großen Fest, zu dem der damalige Landesbischof Gerhard Maier und die damalige Dekanin Marie-Luise Kling-de Lazzer mit einer Kutsche durchs Dorf fuhren.

Die Begleitung der Menschen war Gudrun Bertsch wichtig. Als Pfarrerin wollte sie „Kirche für andere“ sein, wie sie es mit den Worten des Praktischen Theologen Ernst Lange sagt. Für ihre Gemeindeglieder und auch für geflüchtete Menschen. So nahmen sie und ihr Mann 2016 zwei minderjährige afghanische Flüchtlinge ins Pfarrhaus auf.

Auch im Kirchenbezirk war Gudrun Bertsch aktiv. Sie war lange Jahre Mitglied in der Kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft der Pfarrerschaft, gehörte sechs Jahre dem Kirchenbezirksausschuss an, engagierte sich in der Notfallseelsorge, war Ausbildungspfarrerin für Vikare und hatte vier Jahre lang das Amt der Bezirksdiakoniepfarrerin inne.

Gudrun Bertsch ist in Mötzingen geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur im benachbarten Nagold und einem einjährigen diakonischen Praktikum in einer Klinik in Paris, studierte sie in Heidelberg, Bern und Berlin Theologie. Anschließend ließ sie sich in Berlin zur Religionspädagogin ausbilden und arbeitete Mitte der 90er Jahre als Religionslehrerin an zwei Ostberliner Schulen. Seit dieser Zeit ist die kirchliche Bildungsarbeit ihr „zweites Standbein“, das nach fast 15 Jahren im Gemeindepfarrdienst jetzt „wieder dran“ ist, wie es die Theologin formuliert. „Bildungsarbeit ist ein wichtiges Gesicht von Kirche, weil wir dort in der Breite der Gesellschaft wirken“, sagt sie im Blick auf ihre neue Aufgabe als Co-Schuldekanin. „Dass dieses Gesicht sichtbar bleibt und Konturen hat, dafür möchte ich mit meiner Arbeit einstehen“, so die scheidende Hagellocher Pfarrerin.

Dem Abschiedsgottesdienst um 9.30 Uhr am kommenden Sonntag folgen ein Empfang im Gemeindehaus und ein Gemeindehausfest mit Mittagessen und Kaffee und Kuchen. Um 17 Uhr weihen Lennart Faustmann und Walter Blum mit einem Konzert die frisch gereinigte Hagellocher Kirchenorgel ein.

In ihr neues Amt als Co-Schuldekanin wird Gudrun Bertsch in einem Gottesdienst am 14. Oktober um 15 Uhr in der Münsinger Martinskirche eingesetzt.

Geschrieben von Andreas Föhl am 05.10.2018.