Spende für ägyptisches Krankenhaus

Dr. Emad Soliman leitet ein Krankenhaus in einer der ärmsten Gegenden Ägyptens, das Nil-Hospital in Naqada. Am Donnerstag konnte der Arzt in Tübingen eine Spende von 1000 Euro für seine Arbeit entgegennehmen. Ort der symbolischen Übergabe war das Haus des Fördervereins für krebskranke Kinder, zu dem der Mediziner eine ganz besondere Verbindung hat.

In den Jahren 2013 bis 2016 hat Emad Soliman im Haus des Fördervereins gewohnt, während sein kleiner Sohn in der Tübinger Kinderklinik behandelt wurde. Fünf Jahre alt war Rafik, als die Krebserkrankung bei ihm ausbrach. Als er im Juni 2016 starb, war er acht. In Tübingen habe Rafik „die beste Zeit während seiner Erkrankung“ verbracht, erzählt Emad Soliman. „Die Leute hier lieben mich“, habe ihm sein Sohn immer wieder gesagt. Als Rafik zu einer Behandlung in die USA musste, habe er zurück „nach Hause“ gewollt und damit Tübingen gemeint, berichtet der Arzt. Ihm selbst ging es ähnlich: „In Amerika fühlte ich mich verloren, in Tübingen fühlte ich mich sicher“, sagt er und meint damit die Begleitung und Unterstützung durch die Klinikseelsorge und den Förderverein krebskranker Kinder.

Die beiden Häuser des Fördervereins – das Elternhaus in der Frondsbergstraße und das Familienhaus in der Hallstattstraße – bieten den Angehörigen von Kindern, die an Krebs erkrankt sind, „Heimat auf Zeit“, wie es auf der Homepage des Fördervereins heißt. Hier haben die Angehörigen in unmittelbarer Nähe zum Klinikum einen Rückzugsort, können sich untereinander und mit den Mitarbeitenden austauschen, finden das nötige Verständnis und die nötige Rücksichtnahme, erklärt Theresa Teufel vom Förderverein krebskranker Kinder. Bei Bedarf sei auch eine Psychologin im Haus. Für Angehörige, deren Kind verstirbt, bietet der Förderverein Gesprächsgruppen an: für Eltern, Geschwister, Familien und neuerdings auch für trauernde Großeltern.

Emad Soliman erzählt frei und offen von seinem verstorbenen Sohn. Sein christlicher Glaube hilft ihm, mit dem Verlust umzugehen. Er ist der festen Überzeugung, dass er Rafik einmal wiedersehen wird. Wenn er gefragt werde, wie viele Kinder er habe, antworte er: „Drei. Zwei leben in unserer Familie, eines bei Jesus“.

Als Arzt kämpft Emad Soliman in Oberägypten dafür, dass anderen Väter und Mütter der Verlust eines Kindes erspart bleibt. In der Neoantologie des Nil-Hospitals behandelt er schwer kranke Neugeborene und Frühgeborene, die ohne medizinische Hilfe nicht überleben würden, rund 200 im Jahr. Naqada sei die zweitärmste Stadt im Süden Ägyptens, berichtet Soliman. 125.000 Menschen lebten dort. Bis heute gebe es in der Stadt, die 650 Kilometer südlich von Kairo und 50 Kilometer nördlich von Luxor liegt, keine einzige geteerte Straße. Dass es dort ein Krankenhaus gibt, ist der christlichen Hilfsorganisation Mission am Nil zu verdanken. Sie leistet medizinische Hilfe und Bildungsarbeit in Äthiopien, Tansania, Eritrea, dem Sudan, der Republik Kongo und vor allem in Ägypten. Die Mission am Nil ist Trägerin des Krankenhauses in Naqada. Zwölf Jahre habe es vom Baubeginn bis zur Eröffnung der Klinik im Jahr 2006 gedauert, erzählt Soliman. 2011 habe man mit dem Bau eines zweiten Klinikgebäudes auf der anderen Straßenseite begonnen. Seit 2013 werde der Neubau teilweise genutzt, jedes Jahr könne ein weiteres Stockwerk für den Krankenhausbetrieb fertiggestellt werden.

Im neuen Gebäude soll auch eine neue Intensivstation für Neugeborene entstehen. Die bisherige Station habe Platz für vier Inkubatoren, zur Not könne man acht solcher Brutkästen in dem kleinen Raum unterbringen. Dann jedoch herrsche drangvolle Enge, berichtet der Arzt. Die vorhandenen Brutkästen seien zum Teil 30 Jahre alt. Es handle sich um ausrangierten Geräte aus Deutschland und der Schweiz. Die neue Neoantologie soll jetzt 13 weitere, ganz neue Geräte bekommen.

Für diesen Zweck will Emad Soliman die 1000 Euro verwenden, die er jetzt in Tübingen entgegennehmen konnte. Gesammelt wurde das Geld beim Gedenkgottesdienst für die im Tübinger Klinikum verstorbenen Kinder, der Ende Oktober zum 20. Mal stattfand. Mitarbeitende der Kinderklinik Tübingen, der Klinikseelsorge und des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen organisieren und gestalten die jährliche Gedenkfeier. Eingeladen sind Eltern, Großeltern, Angehörige und Freunde verstorbener Kinder. Organisator der ersten Stunde ist Thomas Bäumer vom Psychosozialen Dienst der Kinderklinik. Er erinnert sich noch an den ersten Gottesdienst 1998 in der Tübinger Stiftskirche, zu dem – für viele überraschend – rund 500 Angehörige gekommen seien. „Daran hat man gesehen, wie groß der Bedarf ist, sich auszutauschen“, sagt Bäumer. Seitdem findet der Gottesdienst jährlich in wechselnden Tübinger Kirchen satt, im vergangenen Jubiläumsjahr in der Stephanuskirche.

Geschrieben von Andreas Föhl am 18.01.2019.